Deutsche Diabetes-Hilfe: Nationale Diabetes-Strategie ist bislang ein leeres Versprechen

  • Deutsche Diabetes-Hilfe, Deutsche Diabetes Gesellschaft

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Am 14. November ist Welt-Diabetes-Tag. Er steht dieses Jahr unter dem Motto „Diabetes und Familie“. Im Fokus: Die Schärfung des Bewusstseins für die Auswirkungen der Krankheit auf die Angehörigen und deren Unterstützung bei der Versorgung Betroffener. Die gemeinnützige und unabhängige Deutsche Diabetes-Hilfe nimmt den Tag zum Anlass, die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Nationalen Diabetes-Strategie einzufordern.

Hintergrund

Der Welt-Diabetes-Tag wird seit 1991 als ein Tag der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt. Seit 2007 ist er auch ein offizieller Tag der Vereinten Nationen (UN). Damit ist er, neben dem Welt-AIDS-Tag, der im Jahre 1988 ausgerufen wurde, der zweite Tag, der einer Krankheit gewidmet ist. Man hat den 14. November ausgewählt, da an diesem Tag Frederick G. Banting geboren wurde, der gemeinsam mit Charles Herbert Best 1921 das Insulin entdeckte. Die Öffentlichkeit soll an diesem Tag auf die weltweite Bedeutung der chronischen Stoffwechselkrankheit und ihre dramatischen Spätkomplikationen aufmerksam machen.

Die Nationale Diabetes-Strategie ist in Deutschland seit mittlerweile zehn Jahren im Gespräch. Die Bundesregierung hat ihre zügige Umsetzung im Koalitionsvertrag angekündigt. Der Plan sieht vor, die Primärprävention, Früherkennung, Forschungsförderung und Patienteninformation zielgerichtet zu verbessern und ein Diabetes-Register für die Versorgungsforschung zu schaffen. Ziel ist es, das Ausmaß der Erkrankungen in Deutschland einzudämmen. Jeden Tag erkranken in Deutschland durchschnittlich tausend Menschen neu an Diabetes und jeder fünfte Todesfall ist mit Diabetes-Komplikationen assoziiert.  

Hauptforderungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte erst Mitte Oktober auf der 8. Diabetes-Charity-Gala in Berlin seine Zusage gegeben, dass es einen neuen Beschluss zur Diabetes-Strategie geben werde und die Notwendigkeit betont, vorhandene Ansätze zusammenzuführen und die Strategie mit Leben zu füllen. Für die Deutsche Diabetes-Hilfe gehen die Versprechungen nicht weit genug, den schönen Worten müssten endlich auch Taten folgen. Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetes.de, anlässlich einer Infokampagne des Dachverbands zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November: „Bislang können wir noch keine nennenswerten Aktivitäten im politischen Berlin verzeichnen, die auf eine Umsetzung des Koalitionsvertrages hinsichtlich der Diabetes-Strategie hinweisen. Das geht uns deutlich zu langsam.“ So stünde seit 2016 Geld bereit für eine Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), eine Umsetzung sei bislang jedoch nicht erfolgt.

Ähnlich kritisch hatte sich vor kurzem schon die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) geäußert. DDG-Präsident Prof. Dirk Müller-Wieland: „Die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigte Nationale Diabetes-Strategie ließ vermuten, dass endlich eine Gesamtstrategie für Diabetesprävention, -früherkennung und -therapie gefunden werden soll und die Politik den Ernst der Lage erkannt hat. Die Ankündigung lässt aber bis heute mit konkreten Maßnahmen auf sich warten.“

Beide Organisationen befürchten, dass die Strategie – wenn sie denn überhaupt mit Leben gefüllt wird – in den einzelnen Bundesländern zeitlich und inhaltlich unkoordiniert und uneinheitlich umgesetzt werden wird. Diabetes-Patienten würden dann je nach Region mit unterschiedlicher Priorität und Versorgungsqualität behandelt werden. Kröger: „Patienten und Personen mit einem Diabetesrisiko sollten aber allerorten Anspruch auf dieselbe Versorgungsqualität, Früherkennung und frühe Behandlung haben.“

Als einen Teilerfolg sieht diabetes.de die Bewilligung von zusätzlichen drei Millionen Euro für den Aufbau einer Diabetes-Surveillance am Robert Koch-Institut, das 2019 einen ersten Diabetes-Bericht liefern will.