Deutsche Diabetes Gesellschaft kritisiert Ernährungsreport 2020

  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Der Ernährungsreports 2020 des Bundeslandwirtschaftsministeriums stößt bei vielen Organisationen auf Kritik, so auch bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Diese bemängelt, dass der Bericht das dramatische Ausmaß der Fehlernährung in Deutschland ignoriert.

COVID-19 verändert Ernährungsalltag der Deutschen

Nach Angaben des Ernährungsreports 2020 hat sich in der Bevölkerung durch die COVID-19 Pandemie ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entwickelt und die Essgewohnheiten der Menschen verändert. So gaben 30 Prozent der Befragten an, in der Corona-Krise mehr zu kochen als zuvor, und 28 Prozent nehmen ihre Mahlzeiten häufiger gemeinsam ein als zuvor.

Darüber hinaus bezeichnen sich laut Report rund die Hälfte der Befragten als Flexitarier und gibt an, bewusst ab und zu auf Fleisch zu verzichten. Knapp die Hälfte (49 Prozent) hat schon einmal oder öfter pflanzliche Alternativen zu Milch, Käse oder Joghurt sowie Alternativprodukte zu Fleischwaren gekauft. Während 2015 noch 34 Prozent der Befragten täglich Fleisch- und Wurstprodukte zu sich nahmen, waren es im Bericht von 2020 nur 26 Prozent.

DDG: Mehr als die Hälfte der Deutschen übergewichtig

„Deutschland hat ein massives Ernährungsproblem. Über die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig“, kritisiert indessen DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Doch der Ernährungsreport des zuständigen Ministeriums blende diese Tatsache weitgehend aus und zeichne stattdessen ein fast schon rosarotes Bild der Ernährung in Deutschland.

Grund dafür sei laut DDG, dass wichtige Fragen – bewusst oder unbewusst – ignoriert werden, wie zum Beispiel der Konsum der besonders problematischen Softdrinks. Auch werde nicht gefragt, welche staatlichen Maßnahmen für gesunde Ernährung sich die Menschen denn konkret wünschen, und wo man ansetzen müsste, um die hohen Raten von falscher Ernährung und Übergewicht zu senken.

„Es stellt sich die Frage, welchen Zweck ein solcher Report erfüllt, außer PR für das Ministerium“, so Bitzer. Als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft sei man täglich mit den dramatischen Folgen von falscher Ernährung konfrontiert. Die DDG bietet dem Ministerium an im kommenden Jahr bei der Gestaltung der Umfrage fachlich zu beraten.