Deutsche Aidshilfe fordert: Sexarbeit wieder zulassen!


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Aufgrund der Corona-Verordnungen ist Sexarbeit in Deutschland derzeit verboten. Nach wie vor geht die Mär von Prostituierten als „Superspreadern“ um. Das ist nicht nur fachlich falsch, sondern stigmatisiert zudem Menschen, die Sexarbeit leisten. „Massenübertragungen gab es in Deutschland bisher durch ausbeuterische Arbeitsbedingungen, in beengten Wohnverhältnissen und in Gottesdiensten. Bei der Sexarbeit haben nur wenige Leute engen Kontakt miteinander. Und nirgendwo wird Sex mit so strikten Auflagen praktiziert wie in professionellen Bordellen,“ sagt DAH-Vorstand Ulf Kristal.

Die Deutsche Aidshilfe fordert, daher, dass Prostituierte umgehend wieder ihrer Tätigkeit nachgehen dürfen müssen. „Sexarbeit darf nicht anders behandelt werden als andere Tätigkeiten mit engem Körperkontakt. Der Gleichheitsgrundsatz gilt unabhängig von moralischen Bewertungen. Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist“, wie Kristal betont. Tatsächlich haben zwei Verbände bereits ein Hygienekonzepte vorgelegt. In Nachbarländern wie Belgien, den Niederlande, Österreich, der Schweiz und Tschechien können Sexarbeiterinnen bereits wieder ihrem Gewebe nachgehen.

Das Tätigkeitsverbot bringt Prostituierte in eine Notlage. Viele sind ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Folgen der prekäre Situation könnten verschärfte illegale Arbeitsbedingungen, Dumpinglöhne und der Verzicht auf Safer Sex und damit ein erhöhtes Risiko für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionskrankheiten sein. „Die Verdrängung in die Illegalität hat fatale Folgen. Menschen in der Sexarbeit brauchen ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung“, so Kristal. „Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Dort lässt sich auch Infektionsschutz am besten umsetzen. Gerade jetzt, wo Infektionszahlen wieder steigen, sind klare Spielregeln wichtig.“