Deutliche Verbesserung der Psoriasis durch Hemmung des Interleukin-23-Pfades mit Risankizumab

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die spezifische Hemmung des Interleukin 23-Pfades mit dem monoklonalen Antikörper Risankizumab erwies sich in einer randomisierten Vergleichsstudie bei Patienten mit moderater bis schwerer Psoriasis gegenüber der Hemmung des Tumor-Nekrose-Factors α (TNF-α) mit Adalimumab a priori als wirksamer. Nach einer Umstellung profitierte außerdem ein hoher Anteil von Patienten, die zuvor auf Adalimumab nur mäßig gut angesprochen hatten.

Hintergrund

Etwa 100 Millionen Menschen weltweit sind nach Angaben der Autoren von der Autoimmunerkrankung Psoriasis betroffen. Sie kann durch Hemmung der Zytokine Interleukin (IL)-23 und IL-12 gelindert werden, wobei es Anhaltspunkte dafür gibt, dass IL-23 bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Krankheit die größere Rolle spielt. Hier wurde die Wirksamkeit eines neuen, spezifischen IL-23-Hemmers (Risankizumab) mit der von Adalimumab verglichen, einem in der Therapie der Psoriasis etablierten Hemmstoff des Tumor-Nekrose-Faktors Alpha (TNF-α).

Design

Im Rahmen der doppelblinden Vergleichsstudie der Phase 3 IMMvent wurden 605 Patienten mit moderater bis schwerer Psoriasis an 66 Kliniken in 11 Ländern für einen Zeitraum von 16 Wochen auf Risankizumab (150 mg s.c. in Woche 0 und Woche 4) und Adalimumab (80 mg s.c., dann 40 mg in Woche 1,3,5 und zweiwöchentlich) randomisiert. Im zweiten, nicht mehr verblindeten Teil der Studie wurden Patienten mit einem intermediären Ansprechen auf Adalimumab erneut randomisiert, indem sie dieses Präparat entweder weiterhin erhielten oder auf Risankizumab umgestellt wurden.

Ergebnisse

  • Nach 16 Wochen hatten 72 % der Patienten unter Risankizumab und 47 % unter Adalimumab den primären Endpunkt einer Verbesserung um 90 % beim Psoriasis Area Severity Index (PASI 90) erreicht. Die adjustierte absolute Differenz betrug 24,9 Prozentpunkte bei einem 95%-Konfidenzintervall von 17,5 – 32,4 (p
  • Den co-primären Endpunkt eines statischen Physician´s Global Assesment (sPGA)-Wertes von 0 oder 1 erreichten 84 % der Patienten unter Risankizumab und 60 % unter Adalimumab. Die adjustierte Differenz betrug 23,3 Prozentpunkte (95%-KI 16,6 -30,1; p
  • Im zweiten Teil der Studie erreichten 66 % der Patienten nach der Umstellung auf Risankizumab bis zur 44 Woche einen PASI 90; unter fortgesetzter Therapie mit Adalimumab waren es 21 %. Die adjustierte Differenz von 45,0 % hatte ein 95%-KI von 28,9 – 61,11 (p
  • Nebenwirkungen wurden im ersten Teil der Studie mit 56 bzw. 57 % in beiden Gruppen fast gleich häufig berichtet; nach der Umstellung in Teil 2 waren es unter Risankizumab 75% gegenüber 66 % bei fortgesetzter Gabe von Adalimumab.

Klinische Bedeutung

Die größere Wirksamkeit von Risankizumab wurde erreicht, ohne dass es nach der Umstellung Hinweise auf zusätzliche Risiken gegeben hätte. Die Autoren sprechen davon, dass die spezifische Hemmung der p19-Untereinheit des IL-23 mit Risankizumab einen neuen therapeutischen Maßstab gesetzt habe, und legen nahe, statt PASI 75 künftig PASI 90 oder gar PASI 100 als Standard für die Wirksamkeit bei klinischen Studien zu verwenden. Zu bedenken ist, dass sowohl für die Analyse der Daten als auch deren Interpretation der Sponsor Abbvie verantwortlich zeichnete. Für den Kommentator Mark Lebwohl (New York) ist die Blockade des IL-23-Pfades ein „weiterer Durchbruch bei der Behandlung der Psoriasis“ und Risankizumab eine weitere, hocheffektive und einfach zu handhabende Therapie, die vielen Patienten trotz ihrer Komorbiditäten helfen wird.

Finanzierung: AbbVie and Boehringer Ingelheim.