Der zähe Gegner: HIV-1-Reservoirs unter antiviraler Therapie


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Während sichdie HIV-Reservoirs bei einem Großteil der HIV-Infizierten unter ART verringern, nehmen sie bei gut einem Viertel der Betroffenen sogar zu.

  • Wie groß die Virus-Reservoirs sind, hängt unter anderem vom Zeitpunkt des Therapie-Beginns ab.

  • So genannte virale Blibs sind mit größeren Virusreservoirs und einer langsameren Abnahme der Reservoirs assoziiert.

 

Hintergrund

Dank antiretroviraler Therapie (ART) können HIV-infizierte Menschen heute ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen und eine Lebenserwartung haben, die sich der von Nichtinfizierten annähert. Die Therapie hemmt die Vermehrung der Viren und verhindert eine Übertragung auf andere Personen. Doch für eine Heilung müssten auch die latenten Virusreservoirs beseitigt werden, in denen das Virus über viele Jahre überdauert und der ART entgeht. Die vorliegende Studie untersucht, wie sich diese Virusreservoirs über einen längeren Zeitraum hinweg verändern.

Studiendesign

Im Rahmen der Swiss HIV Cohort Study (SHCS) wurden die Daten sowie Blutproben von 1057 Personen ausgewertet, die über viele Jahre erfolgreich eine ART bekommen. Als Maß für das Virusreservoir wurde die Virus-DNA in mononukleären Zellen des p eripheren Blut s ( peripheral blood mononuclear cell s, PBMC) bestimmt. Von jeder Person standen mindestens 3 Proben zur Verfügung, die im Mittel 1.5, 3.5 und 5.4 Jahre nach Beginn einer ART entnommen worden waren.

Hauptergebnisse

  • Bei den meisten untersuchten Patienten nahm das Virusreservoir während der ersten 5,4 Jahre nach ART ab. Danach erreicht die Veränderung des Virusreservoirs ein Plateau

  • Bei 26,6 % (n=281) nahm die Größe des Virusreservoirs trotz erfolgreicher ART zu. Mangelnde Therapietreue als Ursache für diesen Effekt konnte weitgehend ausgeschlossen werden.

  • Hatte die ART innerhalb eines Jahres nach der HIV-Infektion begonnen, waren die Reservoirs 1,5 Jahre nach Therapiestart gering.

  • Virale Blibs – eine kurzzeitig im Blut nachweisbare Viruslast – sind mit größeren Virusreservoirs und einer langsameren Abnahme der latenten Reservoirs assoziiert.

  • Die Häufigkeit der viralen Blibs war geringer, wenn innerhalb des ersten Jahres nach der HIV-Infektion mit der ART begonnen worden war.

Klinische Bedeutung

Die Resultate unserer Studie zeigen, dass das Verhalten der Reservoirs nach wie vor ungenügend verstanden wird“, sagt Studienautor Huldrych Günthard, Universitätsspital Zürich. Eine Überraschung war, dass sich die Virusreservoirs unter ART vergrößern können. „Möglicherweise teilen sich latent infizierten Zellen, oder bei einem Teil der Patientinnen und Patienten vermehren sich die HI-Viren trotz der ART noch auf einem tiefen Niveau. Beides könnte längerfristig zum Anstieg der Reservoirs führen“, so Günthard. Studien dazu sind in Planung. Eine weitere Überraschung war, dass virale Blibs im Zusammenhang mit größeren Virusreservoirs und einer langsameren Abnahme derselben stehen. Virale Blibs galten bislang als klinisch kaum relevant.

Limitierungen

Beobachtungsstudie, die keinen kausalen Zusammenhang herstellen kann

 

Finanzierung

Swiss HIV Cohort Study etc.