Der Kopfairbag - die Alternative für die Helm-Muffel unter den Radlern


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften


Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie  (DGOU) erinnert an den Nutzen eines Kopfschutzes beim Radfahren. Geeignet für den Schutz sei entweder ein herkömmlicher Fahrradhelm oder ein Kopfairbag. Ein solcher Airbag, der um den Hals getragen wird und seit wenigen Jahren auf dem Markt ist, bläst sich bei einem Aufprall zu einem „Vollintegralhelm“ auf und schützt den Kopf. Vorteil gegenüber dem Fahrradhelm soll der gleichzeitige Schutz des Nackens, der Halswirbelsäule, des Kiefers und des Gesichts sein. Besonders wichtig könnte ein Kopfschutz für Fahrer von E-Bikes sein, die insbesondere bei älteren Menschen beliebt sind.

Nicht einmal jeder fünfte Radler trägt einen Helm

„Jedes Frühjahr geht zum Start der Fahrradsaison die Anzahl der verletzten Radfahrer in unseren Notaufnahmen in die Höhe. Oft ist der Kopf betroffen. Daher: Helm auf beim Fahrradfahren!“, rät Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Präsident der DGOU und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie in einer Mitteilung. Aktuell liegt die Helmtragequote über alle Altersgruppen hinweg bei durchschnittlich 18 Prozent. „Das ist zu wenig“, sagt Dr. Christopher Spering von der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen. Die Gründe, warum Menschen keinen Helm tragen, sind vielfältig. Manche finden den Helm unhandlich und umständlich. Andere halten ihn für wenig schick oder fürchten, ihre Frisur damit zu ruinieren. Bei hohen Temperaturen kann das Tragen eines Radhelms trotz Lüftungsschlitzen unangenehm sein. 

Eine mögliche Alternative zum Radhelm: ein Airbag

Abhilfe könnte ein noch wenig bekannter Kopfschutz bieten: der Kopfairbag. Entwickelt wurde er vor knapp 15 Jahren von den schwedischen Industriedesign-Studentinnen Anna Haupt und Terese Alstin. Der Airbag wird wie eine Art Halskrause um den Hals getragen. Bei einem Unfall wird der mit Sensoren versehene Airbag aufgeblasen. Er ähnelt dann einem Vollintegralhelm, welcher zusätzlich zum Kopf auch den Hals- und Unterkieferbereich fest umschließt. Wissenschaftler der Stanford-Universität bescheinigten dem Kopfairbag in einer Studie ein bis zu achtfach niedrigeres Risiko von Gehirnerschütterungen gegenüber einem Helm. Anders als ein üblicher Radhelm kann der Kopfairbag laut den Stanford-Wissenschaftlern auch das Gehirn schützen, das bei Unfällen trotz fehlender Schädelfrakturen schwer verletzt sein kann. „Kommt der Airbag bei einem Unfall zum Einsatz, dämmt er den Aufprall des Kopfes und stabilisiert die Halswirbelsäule, sodass sich die Gefahren eines Schädel-Hirn-Traumas und eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule reduzieren“, sagt Spering. Die US-Forscher weisen allerdings darauf hin, dass sie bei ihren Labor-Untersuchungen allein lineare Kräfte berücksichtigt hätten. Bei realen Unfällen träten jedoch oft auch Rotationskräfte auf.

Der Preis ist nicht heiß,  aber hoch

Der Kopfairbag wird vor der Fahrt um den Hals gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Über einen Druckknopf am Reißverschluss muss bei aufgeladenem Akku vor jeder Fahrradfahrt das Sicherheitssystem aktiviert werden. Ein Nachteil des Kopfairbags ist der Preis von fast 300 Euro. Wer zudem einen feschen Überzug haben möchte, muss noch ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Gute Fahrradhelme sind dagegen schon für weniger als 100 Euro erhältlich. Aber: „Viele kaufen sich teure E-Bikes und sparen dann an einem Kopfschutz. Ob Airbag oder Fahrradhelm – entscheidend ist, dass der Kopf beim Fahrradfahren geschützt wird“, sagt Fahrradunfallforscher Privatdozent Dr. Christian Juhra vom Universitätsklinikum Münster.

Kopfschutz vor allem für ältere E-Bike-Fahrer wichtig

Gerade für E-Bike-Fahrer lohne es sich, einen Kopfairbag in Erwägung zu ziehen, sagt Juhra. „Denn das regelmäßige Aufladen des Airbags über ein USB-Kabel, das von manchen als Nachteil empfunden wird, lässt sich ohne großen Mehraufwand mit dem Aufladen des E-Bikes verbinden. Auch bei diesem muss der Akku regelmäßig an die Steckdose, sodass beide Akkus in einem Arbeitsgang gefüllt werden können.“ Ältere Menschen entdecken zunehmend das E-Bike für sich, da sie mit geringerem Kraftaufwand mobil sein können. Doch gerade sie sind besonders gefährdet: Höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitigen körperlichen Einschränkungen führen nicht selten zu Unfällen mit schweren Verletzungen, etwa zu lebensbedrohlichen Schädel-Hirn-Traumata.