Depression eine große Gefahr für eine Partnerschaft


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Erkrankung Depression kann eine Partnerschaft erheblich beeinträchtigen. Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es zu Problemen. Die meisten geben an, dass sie sich während der Erkrankungsphase aus sozialen Beziehungen zurückgezogen haben. Wissenslücken bei Angehörigen und Partnern führen zu Unverständnis und Fehlinterpretationen. Das belegt der zweite „Deutschland-Barometer Depression“ von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung. 

Hintergrund

Die Depression gehört zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Laut der Deutschen Depressionshilfe sind in Deutschland einer Studie zufolge 8,2 %, d. h. 5,3 Mio. der erwachsenen Deutschen (18 – 79 Jahre) im Laufe eines Jahres an einer unipolaren oder anhaltenden depressiven Störung erkrankt. Diese Zahl erhöhe sich noch einmal um Kinder und Jugendliche und Menschen über 79 Jahre, die in dieser Studie nicht erfasst sind, aber ebenfalls an Depression erkranken können. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. Frauen erkranken also zwei– bis dreimal so häufig an einer Depression wie Männer. Aus mehreren Untersuchungen ist bekannt, dass depressive Menschen in ihrer beruflichen und privaten Umgebung trotz vieler Aufklärungskampagnen noch immer zu oft auf Unverständnis und Vorurteile stoßen. Das gilt sogar für Familien und enge Partnerschaften . 

Design

Repräsentative Befragung zu Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung. Befragt wurden 5.000 Frauen und Männer (1:1)  zwischen 18 und 69 Jahren aus einem repräsentativen Online-Panel für die deutsche Bevölkerung in Privathaushalten.

Hauptergebnisse 

  • Jeder 5. Befragte (21%) gab an, bei ihm/ihr sei bereits einmal die Diagnose Depression gestellt worden.
  • Nur ein Drittel der Befragten (34%) gab an, bislang noch keinen Kontakt mit der Krankheit Depression gehabt zu haben.
  • Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten mit der Diagnose Depression beschreiben, während der Erkrankung keine Verbundenheit zu Menschen mehr zu empfinden. Dies hat weitreichende Folgen: Die Hälfte der Betroffenen berichtet von Auswirkungen auf die Partnerschaft. 45 Prozent davon haben erlebt, dass es aufgrund der Depression zu einer Trennung gekommen ist. „Die hohe Zahl der Trennungen zeigt, was für eine tiefgreifende Erkrankung die Depression ist“, erläutert der Psychiater Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die Ergebnisse. 
  • Ein Teil der Betroffenen berichtet rückblickend aber auch von positiven Erfahrungen: 36 Prozent der Betroffenen gaben an, dass die Depression die Beziehung zum Partner sogar vertieft und gefestigt hat. „Das gemeinsame Überstehen des großen Leidens, das die Depression verursacht, kann zu einem Zusammenwachsen führen“,  so Hegerl in einer Pressemitteilung.
  • Das Deutschland-Barometer Depression 2018 liefert auch Daten zu den Erfahrungen von Angehörigen: 73 Prozent entwickeln Schuldgefühle gegenüber ihrem erkrankten Partner und fühlen sich für dessen Erkrankung und Genesung verantwortlich. 
  • Fast jeder dritte Angehörige (30%) gab an, sich schlecht über die Depression informiert zu fühlen. Betroffene, die Auswirkungen der Depression auf die Partnerschaft erlebt haben, berichten deshalb vor allem, sich unverstanden gefühlt und Vorwürfe von ihrem Partner bekommen zu haben (84%). 

Klinische Bedeutung

„Es wird deutlich, dass ein großer Aufklärungsbedarf über die Erkrankung gerade bei Angehörigen und Bekannten besteht. Deshalb hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Kooperation mit der Deutsche Bahn Stiftung das deutschlandweite Info-Telefon Depression eingerichtet, bei dem Angehörige und Betroffene kostenfrei Informationen über die Erkrankung erhalten“, so Dr. Christian Gravert, Projektleiter Gesundheitsthemen bei der Deutsche Bahn Stiftung und Leitender Arzt der Deutschen Bahn.

Ulrich Hegerl rät Angehörigen: „Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung, die jeden treffen kann! Und informieren Sie sich – denn wer nicht weiß, was eine Depression ist, wird den Rückzug und die fehlende Zuwendung des erkrankten Partners falsch einordnen. Es ist keine Lieblosigkeit oder gar böser Wille, sondern Zeichen der Erkrankung.“ Am besten können Angehörige unterstützen, indem sie einen Termin beim Arzt organisieren und den Betroffenen gegebenenfalls dorthin begleiten. Denn in der Depression fehlen den Betroffenen oft Kraft und Hoffnung, sich Hilfe zu suchen. Hegerl betont aber ebenfalls: „Depression kann nicht mit Zuneigung alleine behandelt werden, sondern erfordert medizinische Hilfe. Es ist wichtig, dass Angehörige und Freunde ihre eigenen Belastungsgrenzen kennen und sich auch Unterstützung organisieren.“