Depression: Aufwärts gerichtete Qi-Gong-Übungen haben antidepressives Potenzial


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Verschiedene Forschungsergebnisse legen nahe, dass es Wechselwirkungen gibt zwischen Körperhaltung und -Bewegung und psychischen Prozessen. Ganz in diesem Sinne führen aufwärts gerichtete Qi-Gong-Bewegungssequenzen dazu, dass sich Depressive vermehrt an positive Gedächtnisinhalte erinnern. Das hat möglicherweise antidepressives Potenzial.

Hintergrund

Forschungsarbeiten der letzten Jahre haben ergeben, dass das Gedächtnis ein wichtiger Faktor bei Depressionen ist. So erinnern sich Depressive vorwiegend an negative Gedächtnisinhalte. Nicht-Depressive erinnern sich dagegen vor allem an Positives. Zudem haben Depressive vermehrt Schwierigkeiten, sich an spezifische Ereignisse aus ihrem eigenen Leben zu erinnern. Psychologen der Universität Witten/Herdecke haben jetzt untersucht, ob sich das Gedächtnis Depressiver mit Hilfe von Qi Gong beeinflussen lässt. „Normalerweise zeigen Depressive eher eine zusammengesunkene Körperhaltung, und sie fühlen sich auch körperlich niedergeschlagen“, erklärt Studienleiter Johannes Michalak den Zusammenhang. „Wir sind daher davon ausgegangen, dass sie von einer Bewegung, die diese Tendenz ausgleicht, also einer nach oben gerichteten Qi-Gong -Bewegung, profitieren sollten, nicht jedoch von einer nach unten gerichteten Qi-Gong-Bewegung.“

Studiendesign

40 depressive Patienten mit Major Depressive Disorder (MDD) wurden instruiert, eine nach oben gerichtete, öffnende Qi-Gong-Bewegung durchzuführen oder eine nach unten gerichtete, schließende. Anschließend wurden sie gebeten, sich an Szenen ihres eigenen Lebens zu erinnern. In einer weiteren Übungsrunde mit der jeweiligen Qi-Gong-Bewegungsfolge bekamen die Probanden auf einem Monitor in zufälliger Reihenfolge positive und negative Adjektive eingeblendet, an die sie sich später erinnern sollten.

Hauptergebnisse

  • Patienten, die die nach oben gerichtete Bewegungssequenz ausführten erinnerten sich an signifikant mehr positive als negative Begriffe. War die Qi-Gong-Bewegung nach unten gerichtet, erinnerten sie sich häufiger an negative Wörter.

  • Das Ausführen der nach oben gerichtete Qi-Gong-Bewegung ging außerdem damit einher, dass die Probanden dieser Gruppe sich besser an spezifische Ereignisse aus ihrem eigenen Leben erinnerten, als Probanden, die die nach unten gerichtete Sequenz ausführten.

Klinische Bedeutung

Das Experiment zeigt, dass sich die aufrichtenden Bewegungen günstig auf das Gedächtnis Depressiver auswirken können. Noch lässt sich daraus nicht ableiten, dass sich Patienten mit solchen Übungen auch erfolgreich behandeln lassen. „Aber es sind erste ermutigende Befunde, die nahelegen, dass man die Rolle des Köpers und von ‚antidepressiven’ Bewegungen als möglichen therapeutischen Zugang in Zukunft noch besser erforschen sollte“, sagt Michalak.

Limitierung

Kleine Studie mit geringer Probandenzahl über einen kurzen Zeitraum. Die Qi- Gong-Sequenzen enthielten mehrere Übungen, so dass unklar ist, welche der Bewegungen den positiven Effekt auslöst.

Finanzierung

Nach Angabe der Autoren gab es für die Untersuchung keine Finanzierung.