„Den Wert der Lebensqualität kennen nur die Patienten“

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Berlin (pag) – Lebensqualität zu messen, ist nicht ganz einfach. Dennoch sollte sie in klinischen Studien eine Rolle spielen, ist der Gesundheitsökonom Prof. Axel Mühlbacher von der Hochschule Neubrandenburg überzeugt. Thomas Müller vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) betont dagegen die Grenzen der Erfassbarkeit und der Aussagekraft dieses Parameters.

 

„Den Wert der Lebensqualität kennen nur die Patienten“, sagt Mühlbacher beim Fachforum Gesundheit der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“. In klinischen Studien werden dem Gesundheitsökonom zufolge zwar viele gesundheitsbezogene Parameter erhoben, es fehlt jedoch die Gewichtung, die für die Lebensqualität von entscheidender Bedeutung ist. „Lebensqualität hängt davon ab, wie man Nutzen und Schaden abwägt“, fasst Mühlbacher zusammen. Es sei zum Beispiel wichtig, ob ein Betroffener bereit ist, Symptome oder Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, um länger zu leben oder nicht – sprich, ob er Morbidität gegen Mortalität tauschen wolle.

 

Thomas Müller, Leiter der Abteilung Arzneimittel beim G-BA, gibt Mühlbacher Recht, dass die Lebensqualität in klinischen Studien erfasst werden sollte. „Evidenzbasierte Medizin fußt auf klinischen Studien. Wenn die Lebensqualität dort nicht abgefragt wird, geht sie verloren und wir landen bei einer reinen Labormedizin.“ Dabei sieht er jedoch eine ganze Reihe von Problemen: Zum einen sei die Selbsteinschätzung von Patienten mit Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression nicht immer zuverlässig. Zum anderen liege die Rücklaufquote bei Patientenbefragungen durch die Pharmaindustrie häufig nur bei rund 30 Prozent. Auch bei Therapien mit Langzeiteffekten hält Müller das Erfassen der Lebensqualität für schwierig. Darüber hinaus sei die Erhebung „sehr papierlastig“ – Patienten in einer Palliativsituation sowie ihren Angehörigen könne man die ausgedehnten Fragebögen kaum zumuten.

Die von Mühlbacher angesprochene Frage, ob ein Patient bereit sei, Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, um länger zu leben, steht für Müller jedoch nicht im Fokus. Diese Entscheidung gehöre in die persönliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient. „Das ist eine ethische Entscheidung, die wir nicht im G-BA treffen können.“