Den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen schützt Kinder vor Übergewicht und Fettleibigkeit

  • Bosch LSMM
  • BMC Public Health
  • 20.05.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

Kinder, die ihren Schulweg mit dem Rad oder zu Fuß zurücklegen, haben ein geringeres Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit als solche, die mit dem Auto gebracht werden oder den Bus nehmen. Die Alltagsbewegung ist dabei sogar regelmäßigen Sportstunden überlegen.

Hintergrund

Übermässiges Körperfett bei Kindern ist ein Risikofaktor für eine Reihe von körperlichen und psychosozialen Problemen sowie für eine frühe Morbidität und Mortalität im Erwachsenenalter. Bislang wird der Body Mass Index (BMI) meist als Maß für Übergewicht eingesetzt. Dieser unterscheidet jedoch nicht zwischen Körperfett und fettfreier Körpermasse. Die vorliegende Studie untersucht, wie sich Bewegung bei Kindern auf das Körpergewicht und die Zusammensetzung der Körpermasse auswirkt.

Studiendesign

Querschnittsstudie, in der bei 2171 Schulkindern im Alter zwischen 5 und 11 Jahren und unterschiedlicher ethnischer Herkunft Daten zu Körpergröße, Gewicht und Körperfett erhoben wurden. Außerdem wurde erfasst, wie die Kinder ihren Schulweg bewältigen und wie viel Sport sie darüber hinaus treiben.

Hauptergebnisse

  • Schulkinder, die ihren Schulweg aktiv, also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Roller bewältigten, hatten eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für einen erhöhten BMI (OR = 0.678; 95 % CI = 0.531 − 0.865; p = 0.002) und eine erhöhte Körperfettmasse (OR = 0.679; 95 % CI = 0.499 − 0.922; p = 0.013) als Kinder, die zur Schule gefahren wurden. Auf die fettfreie Körpermasse hatte dies keine Auswirkung.
  • Paradoxerweise hatten Kinder, die weniger als einmal pro Woche Sport trieben, eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen erhöhten BMI (OR = 0.435; 95 % CI = 0.236 − 0.802; p = 0.008) und eine erhöhte fettfreie Körpermasse (OR = 0.455; 95 % CI = 0.214 − 0.969; p = .041) als Kinder, die täglich körperlich aktiv waren. Beim Körperfett gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen.
  • Ein Trend in Richtung stasistischer Signifikanz zeichnete sich bei Kindern ab, die körperlich vollständig inaktiv waren. Sie hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen erhöhten BMI (OR = 2.222 : 95 % CI = 0.977 − 5.052; p = .057) und vermehrtes Körperfett (OR = 2.485 : 95 % CI = 0.961 − 6.429; p = .060). Unterschiede bei der fettfreien Körpermasse waren nicht statisch signifikant.

Klinische Bedeutun g

Die Studie zeigt, dass der BMI alleine nicht geeignet ist, um Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern zu untersuchen. Das könnte laut Lander Bosch, Erstautor der Studie, die widersprüchlichen Ergebnisse früherer Studien erklären. " Wenn wir dagegen nach dem Körperfett schauten, konnten wir zeigen, dass körperlich inaktive Kinder mit größerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig oder fettleibig waren.“ Kinder, die sich nicht körperlich betätigten, könnten aufgrund einer reduzierten Muskelmasse einen niedrigen BMI aufweisen und daher nicht als übergewichtig klassifiziert werden. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Maßnahmen, die eine regelmäßige Teilnahme an sportlichen Aktivitäten und insbesondere einen körperlich aktiven Schulweg fördern, vielversprechend sind, um Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen“, so Bosch.

Limitierung

  • Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, war es nicht möglich, einen kausalen Linkt zwischen der körperlichen Aktivität und Übergewicht sowie Fettleibigkeit nachzuweisen.
  • Daten zur körperlichen Aktivität basieren auf Selbstauskunft und sind somit nicht objektiv.

Finanzierung

Wellcome Trust und andere.