Demenzerkrankungen: Risiko möglicherweise durch Analyse der Hämoglobinwerte vorhersagbar

  • American Academy of Neurology

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Eine Blutarmut kann auf ein erhöhtes Risiko für Alzheimer und andere Demenzerkrankungen hindeuten. Teilnehmer einer klinischen Studie, die zu Beginn eine Anämie oder zu hohe Hämoglobinwerte aufwiesen, erkrankten später mit 20 % bis 40 % höherer Wahrscheinlichkeit an einer Demenz. Welche Mechanismen hinter diesem Zusammenhang stecken, muss in weiteren klinischen Studien erforscht werden.

Hintergrund

Alzheimer ist eine schleichende Erkrankung, die über Jahre bis Jahrzehnte unerkannt fortschreitet, bevor sich eindeutige Symptome feststellen lassen. Oft sind dann allerdings schon Teile des Gehirns unwiederbringlich zerstört. Daher sind weltweit Forscher auf der Suche nach frühen Indikatoren für Demenzerkrankungen.

Bis dato konnte festgestellt werden, dass es eine Verbindung von anomalen Werten des Blutfarbstoffs Hämoglobin zu Alzheimer und Demenzen gibt. Forschende wollten nun ermitteln, ob ein langfristiger Zusammenhang zwischen Hämoglobinspiegeln und einem demenziellen Risiko in der Allgemeinbevölkerung besteht.

Hämoglobin als Indikator f ü r das Demenzrisiko

In der sogenannten Rotterdam-Studie wurde Serumhämoglobin bei 12.305 Teilnehmern (Durchschnittsalter 64,6 Jahre, 57,7 % Frauen) ohne Demenz gemessen. Dabei wurde das Risiko für Demenz und Alzheimer in Bezug auf Hämoglobin und Anämie mittels Hirn-MRT Untersuchungen bei 5.267 Teilnehmern ermittelt.

Während der Beobachtungszeit von 12,1 Jahren entwickelten 1.520 Personen eine Demenz, von denen 1.194 an Alzheimer erkrankten. Die Forschenden beobachteten eine Assoziation zwischen Hämoglobinspiegeln und Demenz, wobei sowohl niedrige als auch hohe Hämoglobinspiegel mit einem erhöhten Demenzrisiko einhergingen. Die Gesamtprävalenz der Anämie betrug 6,1 %, und die Anämie war mit einem um 34 % erhöhten Demenzrisiko und 41 % erhöhtem Risiko für Alzheimer assoziiert.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Assoziation von Hämoglobin und dem Demenzrisiko auf Unterschiede in der Integrität der weißen Substanz und der zerebralen Perfusion zurückzuführen sein könnten. Hierzu sind allerdings weitere klinische Studien notwendig, um den genauen Mechanismus aufklären zu können.

Finanzierung: Netherlands CardioVascular Research Initiative: the Dutch Heart Foundation, Dutch Federation of University Medical Centres, the Netherlands Organisation for Health Research and Development, and the Royal Netherlands Academy of Sciences.