Demenz-Risiko: „schlechte Gene“ kein Grund zu resignieren

  • JAMA

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Auch Menschen mit hohem genetisch bedingtem Risiko für eine Demenz-Erkrankungen können dieses Risiko durch eine gesunde Lebensweise vermindern. Und: Auch bei geringem Risiko ist eine gesunde Lebensweise als Demenz-Prävention keineswegs überflüssig. 

Hintergrund

Eine gesunde Lebensweise gilt als eine Möglichkeit zur Prävention von Demenz-Symptomen. Da das Risiko für Demenz-Erkrankungen, etwa die Alzheimer-Erkrankung oder die vaskuläre Demenz, auch von den Genen abhängig ist, stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Genom auf den Nutzen einer gesunden Lebensweise zur Demenz-Prävention hat. Können also zum Beispiel Menschen mit hohem genetischem Risiko durch eine gesunde Lebensweise ihr Demenz-Risiko reduzieren?

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit fast 200.000 Menschen (knapp 53% Frauen) europäischer Herkunft, die wenigstens 60 Jahre alt waren (im Mittel 64 Jahre) und zu Beginn der Studie keine diagnostizierte Demenz hatten. Berechnet wurde das Risiko für eine Demenz (gleich welcher Ursache) in Abhängigkeit von genetischen Risikofaktoren und dem Lebensstil. Das genetische Risiko wurde mithilfe eines polygenen Risiko-Scores beurteilt, der auf den Ergebnissen aktueller genomweiter Assoziationsstudien basierte. 

Als gesunde Lebensweise galten: kein Nikotin-Abusus, regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und mäßiger Alkohol-Konsum. Die Beobachtungsdauer betrug im Mittel acht Jahre.

Hauptergebnisse

  • Studienteilnehmer mit hohem genetisch bedingtem Demenz-Risiko und ungesundem Lebensstil haben den Berechnungen nach ein fast dreifach höheres Demenz-Risiko als Personen mit geringem genetischem Risiko und gesunder Lebensweise.
  • Ein gesunder Lebensstil ging bei hohem und niedrigem genetischem Risiko mit einem verminderten Demenz-Risiko einher. 
  • Von den Teilnehmern mit hohem genetischem Risiko entwickelten 1,23 Prozent eine Demenz, von jenen mit niedrigem Risiko 0,63 Prozent (adjustierte HR 1,91; 95% CI 1,64 - 2,23).
  • In der Gruppe der Teilnehmer mit hohem Risiko und ungesunder Lebensweise betrug dieser Anteil 1,78 Prozent; von den Personen mit niedrigem Risiko und gesunder Lebensweise entwickelten dagegen nur 0,56 Prozent eine Demenz (HR 2,83, CI 2,09 - 3,83).
  • Von den Teilnehmern mit hohem genetischen Risiko, deren Lebensstil als gesund bzw. günstig eingestuft wurde, bekamen 1,13 Prozent eine Demenz. Bei jenen mit hohem Risiko und ungesunder Lebensweise betrug dieser Prozentsatz 1,78. Daraus ergibt sich eine relative Risikoreduktion um 32 Prozent (HR 0,68, CI 0,51 - 0,90).

Klinische Bedeutung

Die Studie spricht zum einen gegen einen gewissen Fatalismus bei hohem genetischem Demenz-Risiko. Darüber hinaus liefert die Studie auch ein Argument pro gesunde Lebensweise, wenn das genetische Demenz-Risiko gering ist. Nicht zu vergessen ist dabei, dass eine solche Lebensweise ohne Nikotin und mit körperlicher Bewegung auch kardiovaskulär und pulmonal empfehlenswert ist.

Die retrospektive Studie hat natürlich auch Limitierungen: Da die Teilnehmer aus der britischen Biobank stammten, ist zum Beispiel nicht ausgeschlossen, dass der Anteil der Teilnehmer mit guter Bildung überdurchschnittlich hoch war. 

Finanzierung: mehrere Stiftungen