Demenz-Risiko nach einem Schädel-Hirntrauma erhöht


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein traumatischer Hirnschaden geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher. Am größten ist dieses Risiko im ersten Jahr nach dem Trauma, nachweisbar erhöht ist es jedoch noch nach über 30 Jahren. Die Demenz-Wahrscheinlichkeit steigt mit Trauma-Schwere und -Häufigkeit. 

Hauptergebnisse

Während einer mittleren Beobachtungszeit von rund 15 Jahren wurde bei knapp 22.000 Personen der ersten Studien-Kohorte eine Demenz diagnostiziert. 6,3 Prozent von ihnen hatten einen traumatischen Hirnschaden (TBI: traumatic brain injury) erlitten, 3,6 Prozent nicht. Die Berechnungen ergaben ein um 81 Prozent erhöhtes Demenz-Risiko für Patienten mit TBI (Odds Ratio 1,81; 95% CI 1,75 bis 1,86).

Am stärksten war der Zusammenhang im ersten Jahr nach TBI (OR 3,52; 95% CI 3,23 bis 3,84); aber selbst nach über 30 Jahren war noch ein statistisch signifikant erhöhtes Risko nachweisbar (OR 1,25; 95% CI 1,11 bis1,41). Der Zusammenhang war um so ausgeprägter, je schwerer das Trauma oder je häufiger die Schädel-Hirnverletzung war. Eine Assoziation zwischen TBI und Demenz wurde auch in der Kohorte mit den Zwillingspärchen festgestellt. Geschlechter-Unterschiede beim Demenz-Risiko wurden nicht festgestellt.

Design

Kohorten-Analysen mit insgesamt über drei Millionen (3.329.360) schwedischen Bürgern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt (31.12. 2005) mindestens 50 Jahre alt waren. Ausgewertet wurden schwedische Datenbanken (Zeitraum 1964 bis 2012) zu den Parametern traumatischer Hirnschaden und Demenz (Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz und nicht-spezifizierte Demenz). 

Für die Studie wurden drei Kohorten gebildet:

  1. Die erste Kohorte bestand aus Personen mit TBI (n =  164.334) plus zwei passenden Kontroll-Gruppen.
  2. Die zweite Kohorte bestand aus Personen (n = 136.233), bei denen während der Beobachtungszeit eine Demenz diagnostiziert wurde, plus zwei Kontroll-Gruppen. 
  3. Zu dritten Kohorte gehörten Zwillingspärchen (n = 46.970) mit diskordantem TBI-Status.

Finanzierung: Swedish Research Council 

Klinische Bedeutung

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann nicht geklärt werden, ob traumatische Hirnschäden eine Demenz verursachen, ob also ein kausaler Zuammenhang besteht. Es könnte auch sein, dass Demenz-Symptome ein Schädel-Hirn-Trauma begünstigen - etwa infolge eines Sturzes. Das sogar nach mehr als 30 Jahren nachweisbar erhöhte Demenz-Risiko spricht allerdings gegen diese Möglichkeit. Die Daten zu den Zwillingspärchen lassen nach Angaben der Autoren außerdem die Schlussfolgerung zu, dass familiäre Faktoren (etwa Erziehung, Bildung und sozioökonomisch Bedingungen) nicht entscheidend waren.