Demenz-Kranke: Multimodale Aktivierung durch pflegende Angehörige eine Option


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine multimodale Aktivierung von Demenz-Kranken im häuslichen Umfeld ist möglich. Dass dies dazu beiträgt, den Verlust an alltagspraktischen Fähigkeiten aufzuhalten, konnte allerdings nicht mit signifikanten Ergebnissen belegt werden. Grund hierfür war vermutlich die zu kleine Stichprobe. Die Studie spricht demnach nicht gegen eine solche Intervention.

Hintergrund

In Pflegeheimen kann eine multimodale, in Gruppen durchgeführte Aktivierung von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz dazu beitragen, den Verlust an alltagspraktischen Fähigkeiten zu bremsen. Unzureichend untersucht ist, ob dies auch im häuslichen Umfeld mit einer alltagspraktischen Aktivierung durch pflegende Angehörige, die dazu beraten wurden, gelingt. Denn über 70 Prozent der Demenz-Kranken in Deutschland werden von Angehörigen gepflegt. 

Design

Geprüft wurde die Hypothese, dass eine multimodale Einzelaktivierung von Menschen mit einer leichten bis mittelgradigen Demenz im häuslichen Umfeld während eines 6‑monatigen Interventionszeitraums im Vergleich zur Kontrollgruppe alltagspraktische und kognitive Fähigkeiten verbessert.

Intervention: alltagspraktische Einzelaktivierung an sechs Tagen/Woche durch Angehörige; kognitive Aktivierung einmal wöchentlich durch externe Personen. Die Angehörigen wurden durch Projektmitarbeiterinnen begleitet und beraten. 

An der randomisierten und kontrollierten Studie nahmen 72 Demenz-Kranke teil (Mini-Mental Status Test ≤ 24 und ≥ 12 Punkte), je 36 Teilnehmer gehörten zur Interventions- und zur Kontrollgruppe. Der Interventions- und der Follow-up-Zeitraum betrugen jeweils 6 Monate. 

Primäre Endpunkte: ADL-Fähigkeiten (Erlangen Test of Activities of Daily Living [E-ADL-Test]) und kognitive Fähigkeiten (Alzheimer’s Disease Assessment Scale Cognition [ADAS-Cog]).

Hauptergebnisse

Nach Abschluss der 6‑monatigen Intervention zeigten sich positive Effekte auf die alltagspraktischen Fähigkeiten der Menschen mit leichter Demenz, aber keine Effekte bei mittelschwerer Demenz. Bei den kognitiven Fähigkeiten zeigten sich leichte Effekte bei Menschen mit mittelschwerer Demenz, nicht aber mit leichter Demenz. Die Ergebnisse sind laut den Autoren jedoch nicht signifikant. 

Bei der Pflegeabhängigkeit ergaben sich ein nicht-signifikanter Effekt bei leichter Demenz und ein signifikanter Effekt bei mittelschwerer Demenz. Sechs Monate nach dem Ende der Intervention waren diese Effekte nicht mehr feststellbar.

Klinischer Bedeutung

Die Studie zeigt, dass eine alltagspraktische Aktivierung von Menschen mit Demenz durch Angehörige machbar ist. Die Hypothese der Studie konnte allerdings nicht bestätigt werden. Infolge der  schwierigen Rekrutierung wurde die angestrebte Stichprobengröße nicht erreicht. Die Zahl der beteiligten Familien war zu niedrig, um zu signifikanten Ergebnissen zu kommen. Die Berechnung der Effektstärken liefert nach Angaben der Autoren gleichwohl „Hinweise auf mögliche Wirkungen der multimodalen Aktivierung“.

Finanzierung: Das zweiphasige Projekt wurde vom BMBF gefördert.