Demenz-Erkrankungen: jährlich 2,4 Millionen Tote


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die bislang gründlichste Erhebung zur Krankheitslast durch Demenzen weltweit konstatiert eine annähernde Verdoppelung der Fallzahlen seit 1990 auf 43,8 Millionen im Jahr 2016. Der Zuwachs wird größtenteils durch eine wachsende und alternde Bevölkerung erklärt, allerdings sind die Zahlen wegen uneinheitlicher Erhebungsmethoden mit großer Unsicherheit behaftet.

Hintergrund

In absoluten Zahlen erkranken immer mehr Menschen an einer Demenz. Da die Krankheit außer den Patienten selbst auch eine enorme Belastung für die betroffenen Familien und die Gesundheitssystem darstellt, sind zuverlässige Daten über die weitere Entwicklung für die Bedarfsplanung essentiell.

Design

Im Rahmen der Global Burden of Disease-Erhebung wurden die erste detaillierte Analyse der weltweiten Demenz-Prävalenz, die dadurch bedingte Mortalität und die Krankheitslast bestimmt. Datenquellen waren verschiedene Register, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Befragungen, sowie Versicherungen. Geschätzt wurden Todeszahlen, Übersterblichkeit, Prävalenz und Inzidenz in 195 Ländern und Territorien für den Zeitraum 1990 bis 2016.

Hauptergebnisse

  • Im Jahr 2016 lebten weltweit etwa 43,8 Millionen demente Menschen (95%-Unsicherheitsinterval 37,8 – 51,0). Dies bedeutet eine Zunahme um 20,2 Millionen gegenüber dem Jahr 1990. Frauen sind mit 27,0 Millionen gegenüber Männern (16,8 Millionen) deutlich häufiger betroffen.
  • Die annähernde Verdoppelung in der Zahl der Betroffenen erklärt sich hauptsächlich durch die Alterung der Bevölkerung und deren Zunahme.
  • Die altersstandardisierte Prävalenz hat dagegen nur geringfügig zugenommen, und zwar von 701 Fällen pro 100.00 Einwohnern im Jahr 1990 auf 712 / 100.000 im Jahr 2016.
  • Mit 2,4 Millionen Opfern sind Demenz-Erkrankungen die fünfthäufigste Todesursache weltweit.
  • Unter den 28,8 Millionen behinderungsbereinigten Lebensjahren (DALYs), die durch Demenzen verloren gehen, sind 6,4 Millionen auf folgende modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen: Hoher BMI, hohe Blutzuckerspiegel, Rauchen und mit Zucker gesüßte Getränke.

Klinische Bedeutung

Der Versuch, die Belastung durch Demenzen abzuschätzen, werde durch unterschiedliche Kodierungssysteme und Erhebungsmethoden erschwert, beklagen die Autoren. In 237 Studien wurden beispielsweise 230 verschiedene diagnostische Prozeduren benutzt. Diese Mängel sollten künftig behoben werden, um Verzerrungen zu vermeiden. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Demenzerkrankungen für die Gesundheitssysteme weltweit eine wachsende Herausforderung darstellen, solange es keine Durchbrüche bei der Prävention oder gar Heilung dieser Gruppe von Krankheiten gibt.

Finanzierung: Bill & Melinda Gates Foundation.