Demenz bei Trinkern: Starke Korrelation mit Bewusstseinsverlust

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Auswertung individueller Daten aus 7 Kohortenstudien legt nahe, dass das Risiko einer Demenz unter Vieltrinkern maßgeblich davon beeinflusst wird, ob diese gelegentlich einen Bewusstseinsverlust infolge ihres Alkoholkonsums erleiden.

Hintergrund

Alkoholkonsum ist ein etablierter Risikofaktor für Demenzerkrankungen. Dieser Zusammenhang wurde bisher vorwiegend mit der konsumierten Menge etabliert, wogegen die Rolle des Alkohol-induzierten Bewusstseinsverlusts unklar ist.

Design

Aus 7 relevanten Kohortenstudien in Großbritannien, Frankreich, Schweden und Finnland mit 131.415 Teilnehmern zwischen 18 und 77 Jahren (Durchschnitt 43, Frauenanteil 61,1 %) extrahierten die Forscher individuelle, selbst berichtete Daten zum Alkoholkonsum und nachfolgendem Bewusstseinsverlust. Nach einer durchschnittlichen Nachverfolgungszeit von 14,4 Jahren wurde anhand elektronischer Gesundheitsdaten geprüft, welche der ursprünglich Demenz-freien Teilnehmer eine Demenz oder eine Alkohol-verwandte Erkrankungen erlitten hatten. Als Schwelle zum starken Alkoholkonsum wurden sowohl die britische Definition von mehr als 14 Einheiten, als auch die US-Definition von mehr als 21 Einheiten benutzt.

Ergebnisse

  • 0,8 % der Teilnehmer entwickelten eine Demenz.
  • Das Chancenverhältnis HR dafür war im Vergleich von Personen über und unter den beiden „Vieltrinker“-Schwellen 1,16 bzw. 1,22.
  • Für 96.591 Individuen gab es Daten zum Bewusstseinsverlust; darunter 10.004 (10,4 %) die angaben, dies während der vergangenen 12 Monate mindestens ein Mal wegen Alkoholkonsums erlitten zu haben.
  • Männer mit Bewusstseinsverlust hatten ein HR für eine Demenz von 2,86 (95%-Konfidenzintervall 1,77 – 4,64), und Frauen ein HR von 2,09 (95%-KI 1,34 – 3,25). In den ersten 10 Jahren der Nachverfolgung war der HR für beide Geschlechter 2,72; ohne diese ersten 10 Jahre 1,86.
  • Aufgeschlüsselt nach Art der Demenzerkrankung waren die HRs für Teilnehmer mit Bewusstseinsverlust:
    • early-onset Demenzen (unter 65 Jahren): HR 2,21
    • late-onset Demenzen (ab 65 Jahren: HR 2,25
    • Alzheimer-Demenz: HR 1,98
    • Demenzen mit arteriosklerotischen kardiovaskulären Krankheiten: HR 4,18

Klinische Bedeutung

Alkohol-induzierte Bewusstseinsverluste sind ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenzerkrankung. Als Indikator sind sie womöglich noch besser geeignet als ein problematisches Trinkverhalten per se.

Finanzierung: Nordic Research Programme on Health and Welfare (NordForsk), UK Medical Research 10 Council, Academy of Finland, Helsinki Institute of Life Science, und US National Institutes on Aging.