Dekubitus-Prävention: Studien-Daten offenbaren weiterhin Defizite

  • Gesundheitswesen

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Dekubitus ist weiterhin ein häufiges Phänomen in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Verfügbare Maßnahmen zur Dekubitus-Prophylaxe werden vermutlich nicht optimal ausgeschöpft.

Hintergrund

Dekubital-Ulcera gehen oft mit Immobilität und Multimorbidität von Patienten einher, verursachen Schmerzen und schränken Lebensqualität sowie Selbständigkeit ein. Außerdem  können sie zu schweren Komplikationen einschließlich Tod führen. Sie gelten auch als Indikatoren zur Messung der Versorgungsqualität in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Erstellung einer systematischen Übersicht zur Dekubitus-Inzidenz- und Prävalenz in Deutschland von 2010 bis 2015.

Design

Die Auswertung von mehreren Datenbanken ergab 67 Studien und Dokumente zur Dekubitus-Inzidenz- und Prävalenz in Deutschland (insgesamt 219 Angaben zur Prävalenz und Inzidenz). Die meisten Daten stammen aus dem stationären Krankenhausbereich (46 Quellen, 35 aus Kliniken, 11 aus Reha-Einrichtungen). 27 Quellen lieferten Daten für die stationäre Langzeitpflege. Für den ambulanten Sektor wurden 7 Studien gefunden.

Hauptergebnisse

  • Basierend auf den Hauptdiagnosedaten der Krankenhäuser hatten zwischen 0,07 %  und 1,24 % aller Krankenhaus-Patienten in Deutschland einen Dekubitus ab Kategorie 1. Die Häufigkeit von Dekubitus als Nebendiagnose betrug circa zwei Prozent.
  • Abzüglich Dekubitus-Kategorie 1 wurden vom AQUA-Institut ab dem Jahr 2013 Prävalenzzahlen von 1,59 % bzw. 1,55 % berichtet.
  • In der Altenpflege wurden in Primärerhebungen Prävalenzen von 2,66 % (2014) bzw. 3,40 % (2013) bis 6,74 % bzw. 6,48 % (2011) ermittelt. Unter Ausschluss von Kategorie 1 lag die Prävalenz zwischen 4,94 % und 2,69 % bzw. 2,01%. 
  • Primärerhebungen ergaben Prävalenzen bei ambulant Betreuten von 2,27 % (2010) bzw. 2,88 % (2014) bis 3,98 % (2012). Routinedaten oder Inzidenzzahlen aus dem ambulanten Bereich liegen nicht vor. 

Klinische Bedeutung

Die vorliegende Arbeit zeigt nach Angaben der Autoren, dass Dekubitus ein häufiges Phänomen in allen Settings der Gesundheitsversorgung in Deutschland ist. Ungeachtet sämtlicher methodischer Einschränkungen und mangelnder Vergleichbarkeit betrage die Prävalenz in der Langzeitpflege 2% bis 5%. Aufgrund der sehr heterogenen Datenlage sei diese Abschätzung für deutsche Krankenhaus-Patienten zwar kaum möglich, doch eine Prävalenz von 2% und höher sei anzunehmen. Diese Anteile belegten, dass verfügbare dekubitus-prophylaktische Maßnahmen in Deutschland nicht ausgeschöpft würden. Weitere Anstrengungen seien daher notwendig, um die Dekubitus-Prävention in Deutschland zu verbessern.

Limitierungen:  Große Heterogenität der epidemiologischen Daten; eine Metaanalyse war daher nicht möglich. Die Vergleichbarkeit der Daten war den Autoren zufolge zudem dadurch erschwert, dass in vielen Studien Angaben zum Messinstrument und klare Definitionen von Dekubitus sowie der Klassifikationen fehlten. 

Finanzierung: keine Angaben