Dauerhaft im Stress? Einbußen bei geistiger Leistungsfähigkeit und Gehirnvolumen drohen


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein erhöhter Pegel an Stresshormonen im Blut geht mit reduziertem Hirnvolumen und einem schlechteren Gedächtnis einher (1). Außerdem werden die visuelle Wahrnehmung sowie das zielgerichtete Handeln in Mitleidenschaft gezogen. Das ergab die Untersuchung von mehr als 2000 Teilnehmern der Framingham Heart Study. Bei Frauen hinterließen die Stresshormone etwas deutlichere Spuren als bei Männern.

Hintergrund

Ist der Cortisolspiegel über einen längeren Zeitraum erhöht, so wirkt sich das nicht nur negativ auf das kardiovaskuläre System aus. Wie Tierversuche belegen, kann das Gehirn ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden (2) . Auch beim Menschen gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang. Anhand von Daten aus der Framingham Heart Study, der bekanntesten epidemiologischen Kohortenstudie, wurde untersucht, wie sich langfristig erhöhte Cortisol s piegel im Blut auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Gehirnstruktur auswirken.

Design

Mehr als 2000 Personen der dritten Generation von Teilnehmern der Framingham Heart Study ( 3) nahmen an der Untersuchung teil. Ausgeschlossen waren dabei Personen mit Demenz, Schlaganfall oder anderen neurologischen Besonderheiten. Informationen zum Cortisolwert im Serum lagen aus der Framingham Heart Study vor. Die Probanden wurden kognitiven Tests sowie MRT-Untersuchungen des Gehirns unterzogen.

Hauptergebnisse

  • Bei den höchsten Cortisolwerten waren das Volumen des Großhirns sowie die graue Masse im Bereich des Schläfenlappens und des Frontalhirns reduziert. Personen mit den niedrigsten Cortisolwerten waren nicht betroffen. Bei Frauen hatte bereits ein mittelmäßig erhöhter Cortisolwert Auswirkungen auf das Gehirnvolumen.
  • Voxel basierte Messungen ergaben außerdem eine geringere Nervendichte in der weißen Masse bei Probanden mit stark erhöhten Cortisolwerten.
  • Studienteilnehmer mit stark erhöhten Cortisolwerten zeigten deutlich verringerte kognitive Leistungen.
  • Das Vorhandensein des APOE4-Allels, das der wichtigste genetische Risikofaktor für Alzheimer-Demenz ist, hatte keinen Einfluss auf die Verringerung der Gehirnmasse und die Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit durch erhöhtes Cortisol.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt und erweitert bisherige Befunde dazu, dass sich langfristig erhöhte Cortisolwerte negativ auf Gehirnvolumen und -Struktur sowie auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken. Allerdings benennen die Autoren eine entscheidende Einschränkung: Für die vorliegende Studie wurde der Cortisolwert im Serum lediglich einmalig bestimmt. Eine Aussage zur Auswirkung des Stresshormons über einen längeren Zeitraum hinweg kann die Studie daher nicht treffen.

Finanzierung

Mittel des NIH, National Institute of Neurologic Disorders and Stroke und des National Institute on Aging, sowie Unterstützung durch die Framingham Heart Study’s National Heart, Lung, and Blood Institute Study.