Das Risiko einer Psychose bei ADHS-Patienten unter Methylphenidat liegt im Promille-Bereich

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Psychorisiko für heranwachsende Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) ist unter Methylphenidat offenbar nur halb so groß, wie mit Amphetaminen.

Hintergrund

Auch wenn die Verschreibungen von Stimulantien wie Methylphenidat und Amphetaminen gegen ADHS in Deutschland zurückgehen, so ist der Trend in einigen anderen Ländern wie den USA gegenläufig. Dort hat auch die Zulassungsbehörde FDA aufgrund einzelner Meldungen einen Warnhinweis verfügt, wonach die Stimulantien Psychosen oder manische Symptome hervorrufen könnten. Die Häufigkeit dieser Ereignisse ist aber ebenso unklar wie die Wahrscheinlichkeit für Psychosen unter den individuellen Präparaten.

Design

Auswertung der Versicherungsdaten von 221.846 Patienten mit ADHS im Alter von 13 bis 25 Jahren, denen man jeweils zur Hälfte Methylphenidat oder Amphetamine verschrieben hatte.

Ergebnisse

  • In der Studienpopulation wurden bei einem Follow-Up von 143.286 Personenjahren (median 4 – 5 Monate) 343 psychotische Episoden erfasst. Dies entspricht einer durchschnittlichen Zahl von 2,4 Psychosen pro 1000 Personenjahre.
  • Die psychotischen Episoden ereigneten sich median 128 Tage nach Einnahme der Medikation.
  • Im Vergleich kam es unter Methylphenidat zu 106 Episoden (0,10 %) und mit Amphetaminen zu 237 Episoden (0,21 %). Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR zuungunsten von Amphetaminen von 1,65 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,31 – 2,09.
  • Eine post-hoc-Analyse ergab allerdings keinen Unterschied im Psychose-Risiko zwischen den Präparaten, wenn diese von einem Psychiater verschrieben wurden, statt von anderen Ärzten.

Klinische Bedeutung

Die Studie quantifiziert das Psychose-Risiko für ADHS-Patienten unter den beiden Stimulantien Methylphenidat und Amphetaminen, wobei letzteres annähernd doppelt so hoch zu sein scheint. Für die Abwägung der geeigneten Therapie sind die neuen Zahlen hilfreich. Eine individuelle Vorhersage ist allerdings nicht möglich, und auch eine Kausalität kann die aktuelle Untersuchung nicht beweisen. Dagegen spricht eine andere Studie mit Methylphenidat, bei der man keine verringerte Psychosehäufigkeit in den Zeiträumen fand, wo die Patienten ihre Medikamente nicht einnahmen.

Finanzierung: National Institute of Mental Health.