Das Jahr 2019: die wichtigsten Ereignisse in der Medizin

  • N Engl J Med and Nature

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Keimbahn-Gentherapie am Menschen, Fleckfieber durch tropische Zecken in Deutschland, Kinder nach Gebärmuttertransplantation geboren, gesetzliche Regelungen zu Organspende und Masernimpfpflicht - was 2019 wichtig war für die Ärzte in Deutschland

Ereignisse

  • Babies nach Genediting mit CRISPR-Cas-Technik geboren:
    • Anfang des Jahres melden chinesische Forscher, dass erstmals menschliche Zwillinge geboren wurden, die durch Genediting mit der CRISPR-Cas- Technik resistent gemacht worden sind gegenüber einer HIV-Infektion.
    • Die klinische Anwendung einer keimbahnverändernden Therapie stößt weltweit auf starke Kritik.
  • Entbindung nach Gebärmuttertransplantation: Erstmals in Deutschland sind Kinder nach einer Uterustransplantation geboren worden, eines im März und ein zweites im Mai. Die Organe stammten von den jeweiligen Müttern der Empfängerinnen. Diese hatten angeborene Fehlbildungen: Sie waren ohne Uterus und Scheide auf die Welt gekommen.
  • Ausbrüche von Infektionskrankheiten:
    • Das Ebolavirus tötet mehrere tausend Menschen in der Demokratischen Republik Kongo bei einem Ausbruch, der im Jahr 2018 begonnen hatte.
    • Trotz des politischen Chaos' und der militärischen Konflikte gelingt es einem internationalen Forscherteam, eine prospektiv randomisierte klinische Studie mit zwei Antikörper-basierten Therapien im Kongo abzuschließen (1). 90 % von 681 Teilnehmern, die in einem frühen Krankheitsstadium Mab114 oder REGN-EB3 erhalten hatten, werden geheilt.
    • Mehr als 250 000 Menschen in Epidemieregionen des Kongo werden mit einer neuen Vakzine geimpft.
    • Masern:
      • Weltweit gibt es große Masernausbrüche, vor allem in afrikanischen Ländern wie Madagaskar mit mehr als 150 000 Erkrankten, aber auch in Brasilien (19 000 Erkrankte) und Thailand (> 8000 Erkrankte; [2]).
      • In Deutschland werden in den ersten drei Quartalen fast 500 Masernerkrankungen gemeldet.
      • Im Dezember 2019 verabschiedet der Deutsche Bundestag das Masernschutzgesetz mit einer Impfpflicht für Schul-, Kindergartenkinder und -betreuer, Bedienstete im Gesundheitssystem und für Migranten.
  • Folgen des Klimawandels:
    • Wegen der heißeren Sommer und milderen Wintermonate etablieren sich Überträger von Erkrankungen in Deutschland, die aus wärmeren Regionen eingeschleppt wurden, darunter so genannte Riesenzecken der Gattung Hyalomma. Die ursprünglich aus den Tropen stammenden Zecken haben 2019 erstmals in Deutschland einen kompletten Lebenszyklus durchlaufen.
    • Ein erster Patient in Deutschland erkrankt am Zecken-Fleckfieber, das durch eine Hyalomma-Zecke übertragen wurde.

Organspende:

  • Der deutsche Bundestag nimmt im Juni eine Debatte zur Neuregelung der Organspende auf.
    • Im Gesetzentwurf um Bundesgesundheitsminsiter Jens Spahn (CDU) wird eine so genannte doppelte Widerspruchslösung vorgeschlagen: eine postmortale Organspende ist möglich, wenn nicht der potenzielle Spender in einem Register seinen Widerspruch hat dokumentieren lassen oder Angehörige widersprechen.
    • Im Alternativentwurf um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock würde die erweiterte Zustimmungslösung beibehalten, kombiniert mit einer regelmäßigen Erinnerung, den Willen zur Frage der Organspende in einem Register zu melden.
    • Die dritte Lesung der Entwürfe wird für Mitte Januar 2020 erwartet. Eine Mehrheit für einen der beiden Entwürfe ist in den bisherigen Debatten nicht erkennbar.

Medizinnobelpreis:

  • Die beiden US-amerikanischen Forscher William G Kaelin und Gregg L. Semenza sowie der Brite Peter J. Ratcliffe erhalten Anfang Oktober den Medizinnobelpreis. Sie haben den grundlegenden Mechanismus von Zellen in Mensch und Tier erforscht, mit denen diese die Verfügbarkeit von Sauerstoff in ihrer Umgebung „messen“ und sich Sauerstoff-Mangelzuständen anpassen.