Darmkrebs: Suche nach Metastasen ist mit Ganzkörper-MRT am schnellsten und medizinisch akkurat

  • Lancet Gastroenterology Hepatology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei der Diagnose kolorektaler Karzinome lässt sich die für das Staging erforderliche Bildgebung von mehreren unterschiedlichen Methoden auf ein Verfahren, nämlich das Ganzkörper-MRT (WB-MRT), reduzieren. Sensitivität und Spezifität des WB-MRT sind vergleichbar mit dem Standard. Das WB-MRT verkürzt die Zeitspanne der bildgebenden Diagnostik um durchschnittlich 5 Tage. Für das britische Gesundheitssystem war das WB-MRT im Vergleich zum Standard kosteneffektiv.

Hintergrund

Kolorektale Karzinome sind in westlichen Ländern die zweit- oder dritthäufigste Krebserkrankung. Knapp 40 % der Erkrankten sterben innerhalb von 5 Jahren an dem Tumor. Ein korrektes Staging bei Diagnose ist entscheidend für die Prognose des Patienten. So werden bei Metastasenbildung chirurgische, ablative und systemische Therapien miteinander kombiniert, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Die Suche nach potenziellen Metastasen erfolgt in der Regel durch eine Kombination von Computertomographien (CT; Thorax, Abdomen) mit der Magnetresonanztomographie (MRT; Abdomen) und teilweise auch mit PET-CT. Die bildgebende Diagnostik ist damit vergleichsweise aufwändig. In einer Studie an 16 britischen Zentren wurden Sicherheit und Effektivität eines Ganzkörper-MRT mit der multimodalen Standarddiagnostik verglichen.

Design

  • Teilnehmerzahl: 299 Patienten mit neu diagnostiziertem Darmkrebs beendeten die STREAMLINE-C-Studie
  • Diagnostik: Multimodale Standard-Bildgebung plus Ganzkörper-MRT, dessen Ergebnis erst nach der Befundung durch den Standard mitgeteilt wurde

Hauptergebnisse
23 % Teilnehmer hatten Metastasen. Die Sensitivitäten für die Diagnose von Metastasen betrugen 67 % für das WB-MRT und 63 % für die Standardkombination. Die Spezifitäten lagen bei 95 % (WB-MRT) und 93 % (Standard) und wurden damit ebenfalls als vergleichbar bewertet. Die therapeutischen Konsequenzen aus den Befundungen stimmten zu 96 % überein. Die Diagnostik mit der Standard-Bildgebung erstreckte sich über eine mediane Zeitspanne von 13 Tagen, das WB-MRT erfolgte trotz des hohen Aufwands dieser Einzeluntersuchung innerhalb von 8 Tagen (median). Die Kosten für das WB-MRT lagen um circa 25 % unter denen der kombinierten Standarddiagnostik.

Klinische Bedeutung

Nach der Diagnose „Darmkrebs“ ist die Suche nach Metastasen durch ein Ganzkörper-MRT am wenigsten zeitaufwändig, und es reduziert die Besorgnis der Patienten, die mit vielen diagnostischen Terminen einhergeht. Für das britische Gesundheitssystem ist das WB-MRT bei der Diagnostik kolorektaler Karzinome kosteneffektiv. Die größte Einschränkung für die Praxis wird darin gesehen, dass Infrastrukturen und Expertise für das Ganzkörper-MRT von einer flächendeckenden Verfügbarkeit weit entfernt sind. Es sei aber eine zu erwägende Strategie für die Zukunft.

In Deutschland haben Schätzungen zu Folge 58 900 Menschen im vergangenen Jahr die Diagnose Darmkrebs erhalten.

Finanzierung: UK National Institute for Health Research