Darmkrebs: Magen-Darm-Blutungen als Indikator bei Patienten mit Vorhofflimmern

  • European Heart Journal

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Patienten, die mit blutverdünnenden Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen behandelt werden, sollten gemäß einer dänischen Studie immer auf Darmkrebs untersucht werden, wenn sie an Magen-Darm-Blutungen leiden. So gehen die Forscher davon aus, dass gastrointestinale Blutungen (GI-Blutungen) bei Patienten mit Vorhofflimmern (VF) nicht ausschließlich Folge einer oralen Antikoagulanzien-Therapie (OAC-Therapie) sind, sondern mit einem hohen absoluten Risiko für Darmkrebs verbunden sind.

Hintergrund

Patienten mit Vorhofflimmern werden häufig orale blutverdünnende Medikamente wie Warfarin, Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban verschrieben, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, die zu einem Schlaganfall führen können. Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt können jedoch eine Nebenwirkung sein und treten Schätzungen zufolge jeden Jahr bei etwa ein bis zwei Prozent dieser Patienten auf.

Um herauszufinden, inwieweit eine geringe GI-Blutung bei VF-Patienten auch im Zusammenhang mit okkultem Darmkrebs stehen könnte, hat ein Forscherteam dänische VF-Patienten hinsichtlich ihrer GI-Blutungen und einer Darmkrebs-Diagnose untersucht.

Darmkrebsrisiko bei VF-Patienten mit GI-Blutungen deutlich erhöht

Insgesamt 125.418 dänische VF-Patienten, die eine OAC-Therapie bekamen, wurden anhand dänischer Verwaltungsregister identifiziert. Während einer Nachbeobachtungszeit von maximal 3 Jahren identifizierten die Forschenden 2.576 Patienten mit geringen GI-Blutung, von denen 140 Patienten innerhalb des ersten Jahres nach der Detektion von geringen GI-Blutung mit Darmkrebs diagnostiziert wurden.

Das Risiko einer Darmkrebs-Diagnose im ersten Jahr nach der GI-Blutung hing vom Alter der VF-Patienten ab.

  • Bei VF-Patienten mit GI-Blutungen im Alter von 65 Jahren oder jünger war die Wahrscheinlichkeit, dass Darmkrebs festgestellt wurde, 24-mal höher als bei VF-Patienten ohne GI-Blutungen.  
  • Bei VF-Patienten mit GI-Blutungen im Alter von 71 bis 75 Jahren war die Wahrscheinlichkeit, dass Darmkrebs festgestellt wurde, 11-mal höher als bei VF-Patienten ohne GI-Blutungen.  
  • Das höchste absolute Darmkrebsrisiko nach GI-Blutungen bei VF-Patienten lag bei der Altersgruppe der 76 bis 80-jährigen. Bei acht Prozent der VF-Patienten dieser Altersgruppe wurde innerhalb des ersten Jahres nach der GI-Blutung Darmkrebs diagnostiziert.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass mit einer alternden Bevölkerung in vielen Ländern die Prävalenz von Vorhofflimmern zunimmt, mehr Menschen mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden und daher Magen-Darm-Blutungen häufiger auftreten dürften. Momentan gibt es keinen Hinweis darauf, dass orale Antikoagulanzien Darmkrebs verursachen könnten. Da es sich um eine Beobachtungsstudie gehandelt hat, lagen keine Daten zu etwaigen Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten und Fettleibigkeit vor. In weiterführenden Studien müssten unter anderem solche Faktoren in das Studiendesign einfließen um objektive Ursache-Wirkungs-Prinzipien zu definieren.

Finanzierung: Bristol-Myers Squibb (Denmark) and Pfizer (Denmark)