Dapagliflozin bei systolischer Herzinsuffizienz: weniger ventrikuläre Arrhythmien

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Laut einer Subanalyse der placebo-kontrollierten Studie DAPA-HF kann der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin bei herzinsuffizienten Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion das Risiko einer schweren ventrikulären Arrhythmie, eines Herzstillstands oder eines plötzlichen Todes reduzieren. 

Hintergrund

Ventrikuläre Arrhythmien sind häufig und eine der Haupttodesursachen bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF). Daher ist es wichtig, die Auswirkungen neuer Therapien bei Patienten mit HFrEF auf ventrikuläre Arrhythmien und die Art des Todes, einschließlich des plötzlichen Herztodes, zu untersuchen. Zu den neuen Therapeutika für diese Patienten gehören SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin. Geprüft wurde dieser Wirkstoff unter anderem in der DAPA-HF-Studie, einer kardiovaskulären Outcome-Studie mit herzinsuffizienten Patienten (HFrEF). 4744 Patienten erhielten entweder Dapagliflozin oder Placebo zusätzlich zur empfohlenen Therapie. Das primäre Ergebnis war eine Kombination aus Progredienz der Herzinsuffizienz und kardiovaskulärem Tod. Hauptergebnis der 2019 publizierten Studie war eine Reduktion des Risikos für ein primäres Endpunktereignis durch das Gliflozin um 26 Prozent (Hazard Ratio 0,74; 95 % CI 0,65 bis 0,85; P<0,001). Welche Wirkungen der SGLT-2-Hemmer bei Patienten mit Herzinsuffizienz (HFrEF) auf ventrikuläre Arrhythmien hat, haben Wissenschaftler nun in einer Substudie der DAPA-HF-Studie untersucht.

Design

Post-hoc-Analyse der DAPA-HF-Studie. Die Wirkung von Dapagliflozin im Vergleich zu Placebo auf das erste Auftreten einer schwerwiegenden ventrikulären Arrhythmie, eines reanimierten Herzstillstands oder eines plötzlichen Todes (primärer kombinierter Endpunkt) wurde anhand von Cox-Proportional-Hazard-Modellen untersucht. 

Hauptergebnisse

  • Eine schwerwiegende ventrikuläre Arrhythmie wurde bei 115 (2,4 Prozent) der 4744 Patienten der DAPA-HF-Studie gemeldet (Kammerflimmern bei 15 Patienten, ventrikuläre Tachykardie bei 86, „andere" ventrikuläre Arrhythmie/Tachyarrhythmie bei 12 und Torsade de pointes bei 2 Patienten).
  • Insgesamt 206 (41 %) der 500 kardiovaskulären Todesfälle traten plötzlich auf. 
  • Von den Teilnehmern mit Dapagliflozin erlebten 140/2373 (5,9 %) ein primäres Endpunktereignis; in der Placebogruppe waren es 175/2371 (7,4 %). Die Berechnungen ergaben eine Hazard Ratio von 0,79 (95 % CI 0,63-0,99; P = 0,037); der Effekt war für alle Komponenten des zusammengesetzten Endpunktes gleich.
  • Unabhängige Prädiktoren für das Eintreten eines Endpunkt-Ereignisses waren N-terminales natriuretisches Peptid vom Typ B (OR 1,54), Vorgeschichte ventrikulärer Arrhythmien (OR 1,93), Vorgeschichte eines Myokardinfarkts (OR 1,42) und männliches Geschlecht (OR 1,53).
  • Unterschiede gab es auch zwischen Patienten mit und ohne Diabetes: Bei Patienten mit Diabetes mellitus war die relative Reduktion des primären Endpunktes stärker ausgeprägt als bei Patienten ohne Diabetes: HR 0,69 (0,49–0,96) versus HR 0,88 (0,66–1,18). 
  • Dapagliflozin schien den primären Endpunkt bei Patienten ohne Defibrillator erheblich zu senken, aber nur wenig bei Patienten mit implantiertem Defibrillator.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse stärken zum einen die Position von Dapagliflozin in der Behandlung von Patienten mit HFrEF. Zum anderen liefern sie nach Angaben der Autoren einen weiteren Hinweis darauf, dass die positiven kardialen Effekte der SGLT-2-Hemmer möglicherweise auf ihren Wirkungen gegen das kardiale Remodeling beruhen. So begannen sich die Kaplan-Meier-Kurven für den zusammengesetzte Endpunkt zwar schon früh zu trennen, die deutlichste Trennung erfolgte jedoch nach neun Monaten; dies deutet laut Erstautor Dr. James P. Curtain (Universität von Glasgow) auf eine positive Wirkung gegen das ungünstige kardiale Remodeling im Laufe der Zeit hin.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass ihre Subanalyse nicht präspezifiziert war und die Ergebnisse als „hypothesengenerierend und bestätigungsbedürftig" zu betrachten sind. Sie weisen aber auch auf Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse hin, nach der eine Therapie mit SGLT2-Hemmern mit einem geringeren Risiko für ventrikuläre Tachykardien verbunden ist. 

Finanzierung: AstraZeneca