Dänische Kohortenstudie quantifiziert das Risiko für somatische Erkrankungen nach Krebs


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Vergleich von fast einer halben Millionen Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, zeigt ein um ca. 50 % erhöhtes Risiko für somatische Erkrankungen im Vergleich zu einer krebsfreien Kontrollgruppe. Dabei gibt es große Unterschiede bezüglich der betroffenen Organgruppen zwischen Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen.

Hintergrund und Design

Für die Nachsorge bei den Überlebenden einer Krebserkrankung sind Daten zum langfristigen Risiko für somatische Erkrankungen essenziell. In dieser Studie wurden anhand des Dänischen Krebsregisters 458.646 Personen identifiziert, die zwischen 1997 und 2014 mit einer der 12 häufigsten Krebsarten diagnostiziert wurden und deren weitere Diagnosen mit 2.121.567 Kontrollen mit möglichst ähnlichen persönlichen und demographischen Merkmalen verglichen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Durch die Stratifizierung der Krebsüberlebenden in jeweils 11 diagnostische Gruppen entstanden 132 Kohorten, für die jeweils das Risiko für Krankhauseinweisungen sowie die Inzidenzen im Vergleich zu nicht an Krebs erkrankten ermittelt wurden.

Hauptergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der Kohorte lag bei 69 Jahren, Männer und Frauen war fast gleich häufig vertreten.
  • Die Komorbidität an somatischen Erkrankungen lag für die Krebspatienten zum Zeitpunkt der Diagnose oder des Studieneintritts bei 19 % gegenüber 13 % in der Vergleichsgruppe.
  • Das Risiko einer Hospitalisierung wegen somatischer Erkrankungen war für Krebsüberlebende in fast allen diagnostischen Gruppen höher. Als Beispiele werden genannt:
    • Erkrankungen des Nervensystems bei Brustkrebsüberlebenden mit einem Chancenverhältnis HR von 1,20 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,17 – 1,22.
    • Erkrankungen des Blutes und blutbildender Organe bei Prostatakrebsüberlebenden HR 2,60 bei einem 95%-KI von 2,50 – 2,71.
    • Erkrankungen des Atemsystems bei Lungenkrebsüberlebenden HR 5,95 bei einem 95%-KI von 5,63 – 6,07.

Klinische Bedeutung

Da erwachsene Überlebende einer Krebserkrankung offensichtlich ein erhöhtes Risiko für ein großes Spektrum somatischer Erkrankungen haben, scheint eine intensivere Überwachung angezeigt. In der aktuellen Publikation wird das Erkrankungsrisiko für die jeweiligen Organsysteme zwar nur bezüglich Brust-, Lungen, Prostata- und Darmkrebs dargestellt, im Supplement jedoch auch für 8 weitere Krebserkrankungen, was eine Hilfe bei der Abwägung diagnostischer Maßnahmen darstellen sollte.

Finanzierung: Die Gesundheitsstiftung (Helsefonden).