Dabigatran-Antidot unabhängig von der Nierenfunktion wirksam

  • Journal of the American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Antidot Idarucizumab hebt unabhängig von der Nierenfunktion die gerinnungshemmende Wirkung von Dabigatran auf. Bei rund 20 Prozent der Patienten, insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion,  steigt der Dabigatran-Spiegel innerhalb von 12 oder 24 Stunden auf Werte über 20 ng/ml; allerdings dauert es bei ihnen ähnlich lang bis zum einem Blutungsstopp und zur Homöostase während medizinischer Eingriffe wie bei Patienten mit normaler Nierenfunktion.

Hintergrund

Der Gerinnungshemmer Dabigatran und sein Antagonist Idarucizumab werden beide über die Nieren ausgeschieden. Eine Frage lautet daher, welchen Einfluss die Nierenfunktion auf die Wirkung von Idarucizumab hat.

Design

Ausgewertet wurden Daten von 503 Patienten der Studie RE-VERSE AD (Reversal of Effects of Idarucizumab in Patients on Active Dabigatran), in der die rasche und anhaltende Effektivität des Antidots bei Patienten mit Blutungen unter Dabigatran (vor allem gastrointestinale und intrakranielle Blutungen) belegt worden war. In der aktuellen Analyse wurden die Effektivität von Idarucizumab bei unterschiedlicher Nierenfunktion und der klinische Verlauf untersucht. Beurteilt wurde die Nierenfunktion aufgrund der Kreatinin-Clearance (normal ≥80, mild 50 bis 

Hauptergebnisse

  • Unabhängig von der Nierenfunktion hob das Antidot innerhalb von vier Stunden die Dabigatran-Wirkung zu 100 Prozent auf.
  • Mehr als 98 Prozent der Patienten erreichten dies mit nicht mehr nachweisbaren Werten von ungebundenem Dabigatran.
  • Nach 12 oder 24 Stunden hatten 56 Prozent der Patienten mit schwerer Nierenfunktionseinschränkung, 29,1 Prozent mit moderater und 9,2 Prozent mit leichter Nierenfunktionsstörung Dabigatran-Spiegel von >20 ng/ml;  in der Gruppe mit normaler Nierenfunktion betrug dieser Anteil 8,3 Prozent.
  • Die Zeit bis zum Blutungs-Stopp und der Anteil der Patienten mit normaler Gerinnung bei Eingriffen waren unabhängig von der Nierenfunktion ähnlich.
  • Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung hatten höhere 30- und 90-Tages-Mortalitätsraten.

Klinische Bedeutung

Es kann nach Angaben der Autoren davon ausgegangen werden, dass fast alle Patienten, bei denen die Dabigatran-Wirkung durch das Antidot aufgehoben werden muss, unabhängig von ihrer Nierenfunktion auf Idarucizumab reagieren. Kommt es zu erneuten Blutungen oder sind operative Eingriffe vorgesehen, könnten wiederholte Tests jene Patienten identifizieren, bei denen das Antidot die gerinnungshemmende Wirkung nur teilweise aufhebt oder wieder hohe Dabigatran-Spiegel auftreten. Diese Patienten könnten von einer zweiten Idarucizumab-Dosis profitieren. 

Finanzierung: Die Studie RE-VERSE AD wurde vom Unternehmen Boehringer Ingelheim finanziert.