Cybermobbing, Schlafdefizit und Bewegungsmangel – wie sich Social Media auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken.

  • Viner RM
  • The Lancet Child & Adolescent Health
  • 13.08.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

  • Der negative Einfluss von sozialen Medien auf die psychische Gesundheit von Mädchen ist zu großen Teilen auf Faktoren wie Cybermobbing, Schlaf- und Bewegungsmangel zurückzuführen.

  • Bei Jungen kommen möglicherweise andere Mechanismen zum Tragen.

Hintergrund

Soziale Medien gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Dabei mehren sich die Hinweise und Bedenken, dass sich der Umgang mit diesen Medien negativ auf die psychische Gesundheit der Heranwachsenden auswirkt. Die wissenschaftliche Beweislage ist hier jedoch widersprüchlich – insbesondere im Vergleich zu anderen Beschäftigungen mit digitalen Medien und der Zeit, die Kinder und Jugendliche allgemein vor Bildschirmen verbringen. Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang zwischen häufigem Nutzen Sozialer Medien und der späteren psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von Jugendlichen.

Studiendesign

Langzeitstudie mit 12.866 Teenagern im Alter von 13 bis 16 Jahren im Rahmen der in Longitudinal Study of Young People in England (LSYPE2) in England. Der Gebrauch von Sozialen Medien wurde in drei Wellen erfasst: In Welle 1 waren die Teilnehmer 13–14 Jahre alt, in der abschließenden Welle waren sie 15–16 Jahre alt. In der Welle 2 wurde mithilfe des General Health Questionnaire (GHQ12) Daten zur psychischen Gesundheit erhoben, wobei Scores ≥3 als psychischer Stress gewertet wurden. In Welle 3 wurden Angaben zum Lebensgefühl sowie empfundenem Glück und Ängsten erfasst. Die Daten von Jungen und Mädchen wurden separat ausgewertet.

Hauptergebnisse

  • Der Umgang der Teilnehmer mit Social Media stieg während des Untersuchungszeitraums an:

    • von 34,4% (95% CI 32,4–36,4) auf 61,9% (60,3–63,6) bei Jungen;

    • von 51,4% (49,5–53,3) auf 75,4% (73,8–76,9) bei Mädchen.

  • Sehr häufiges Nutzen von sozialen Medien zum Zeitpunkt 1 der Studie führte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu hohen GHQ12-Scores bei Mädchen (angepasstes Risiko [OR] 1–31 [95% CI 1,06–1,63], p=0,014; N=4429) und Jungen (1,67 (1,24–2,26), p=0·0009; N=4379).

  • Anhaltender häufiger Umgang mit Sozialen Medien führte ausschließlich bei Mädchen zu

    • eingeschränktem Wohlbefinden (angepasstes Risiko OR 0,86 (0,74–0,99);

    • weniger Glücksempfinden (0,80 [0,70–0·92], N=3831, p=0·0013) und mehr Angst (1,28 [1,11–1,48], N=3745, p=0·0007)

    • Wurden die Daten angepasst für Cybermobbing, Schlafmangel und physische Aktivität, war das Ergebnis nicht mehr signifikant.

    • Bei Jungen blieb das Ergebnis der GHQ12-Scores auch nach der Anpassung signifikant.

Klinische Bedeutung

Den Studienergebnissen zu Folge ist der negative Einfluss von Sozialen Medien auf die psychische Gesundheit von Mädchen vor allem auf Cybermobbing, Schlafdefizite und Bewegungsmangel zurückzuführen. Bei Jungen greifen möglicherweise andere Mechanismen.

Limitierung

Selbstauskunft anhand von Fragebögen

Finanzierung

keine