Cushing-Syndrom: deutlich abgestufte Diagnostik während der SARS-CoV-2-Pandemie empfohlen

  • Eur J Endocrin

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Verdacht auf aktives Cushing-Syndrom sollten, vor allem wenn Symptome stärker ausgeprägt sind, wegen der assoziierten Immunsuppression vorsorglich sozial isoliert werden. Eine Diagnostik mit intensiverer Bildgebung wie Kontrastmittel-MRT sollte nur dann erfolgen, wenn eine rein medikamentöse Behandlung der Hyperkortisolämie die Prognose vermutlich deutlich verschlechtern würde. Dies wäre zum Beispiel bei Hypophysen- oder Nebennierentumoren der Fall, die einen zeitnahen chirurgischen Eingriff erfordern. Die beratenden Ärzte sollten mit den Patienten die Besonderheiten bei der Risikoabwägung während der Corona-Epidemie besprechen.

Hintergrund
Die Corona-Epidemie erfordert – je nach regionaler Inzidenz der Neuninfektionen und der COVID-19-Erkrankungen - Anpassungen diagnostischer und therapeutischer Leistungen an das Infektionsrisiko. Dieses sollte für Patienten ebenso minimiert werden wie für Ärzte und für medizinisch-technisches Personal und die Krankenpflege. Die European Society of Endocrinology (ESE) empfiehlt, bei neu auftretendem Cushing-Syndrom in einem abgestuften Prozess über Diagnostik und Therapie zu entscheiden.

Design
Entwicklung von Entscheidungskriterien für eine abgestufte Differentialdiagnostik und Behandlung von Patienten mit neu auftretendem oder schwerem aktivem Cushing-Syndrom

Hauptergebnisse
Die klinische Untersuchung von Patienten mit mittelschwerem, schwerem oder neu auftretendem Cushing Syndrom sollte sich stärker als üblich an der Dringlichkeit orientieren. Wesentlich ist, Schutzmaßnahmen strikt einzuhalten. Die Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaft im Einzelnen:

  • möglichst Konsultation über das Telefon oder per Videoübertragung
  • frühe Kontaktaufnahme mit fachärztlichen Kollegen für eventuelle weitere Diagnostik und Behandlung
  • Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen, zum Beispiel plötzlichen Visusstörungen, haben hohe Dringlichkeit für eine weitergehende Diagnostik wie einer kontrastmittelverstärkten MRT-Untersuchung
  • Patienten mit milden Symptomen oder wenig wahrscheinlicher Neudiagnose eines Morbus Cushing können eventuell einige Wochen für das weitere Vorgehen zurückgestellt werden, bis das SARA-CoV-2-Infektionsrisiko reduziert ist
  • sind chirurgische Eingriffe wie transsphenoidale Hypophysenoperationen erforderlich, aber nicht zeitnah möglich, sollte eine Pharmakotherapie begonnen werden
  • die erstbehandelnden niedergelassenen Ärzte sollten den Patienten erläutern, dass sie während der SARS-CoV-2-Epidemie besonders gefährdet sind  

Klinische Bedeutung
Die Kontrolle der Hyperkortisolämie und der mit ihr asszoziierten Immunsuppression stehen im Vordergrund einer medikamentösen Behandlung des Cushing-Syndroms, um das Infektionsrisiko der Patienten zu minimieren. Diese Behandlung sollte rasch beginnen, so die Empfehlung der ESE. Außerdem sollten Komorbiditäten wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus besonders in der Situation eingeschränkter diagnostischer und chirurgischer Möglichkeiten optimal therapiert werden.
 

Finanzierung: öffentliche Mittel