CRP-Test bei COPD-Exazerbationen könnte helfen, Antibiotika einzusparen

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ein Test auf das C-reaktive Protein (CRP) beim Hausarzt als Indikator für schwere Infektionen kann bei Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und einer akuten Exazerbation helfen, den Antibiotika-Verbrauch zu minimieren.

Hintergrund

Nichtinfektiöse Faktoren verursachten in einer Studie etwa ein Fünftel der akuten Exazerbationen bei COPD-Patienten. Gesucht wird daher eine möglichst einfache und praxistaugliche Methode, um den Antibiotika-Verbrauch zu senken, ohne dabei ein höheres Risiko einzugehen. Ein geeigneter Biomarker könnte das CRP sein, welches sich leicht messen lässt. In einer randomisierten Studie fand man bei Werten unter 40 mg / Liter kaum noch einen Unterschied in den Heilungsraten, egal ob Antibiotika gegeben wurden oder Placebo.

Design

Multizentrische, offene, randomisierte und kontrollierte Studie mit 653 Patienten, die in einer von 86 Praxen in England bzw. Wales wegen einer akuten Exazerbation ihrer COPD behandelt wurden. Die Kontrollgruppe erhielt die Standardversorgung, bei der Interventionsgruppe waren die Ärzte gehalten, ihre Versorgung an den vor Ort bestimmten Blutwerten des CRP zu orientieren. Als primäres Studienziel wurde der von den Patienten berichtete Antibiotika-Verbrauch binnen 4 Wochen nach der Randomisierung festgelegt, zudem der COPD-verwandte Gesundheitsstatus auf dem COPD-Fragebogen.

Ergebnisse

  • Von den anhand der CRP-Werte therapierten Patienten hatten 57 % Antibiotika eingenommen, in der Kontrollgruppe waren es 77,4 %. Das adjustierte Chancenverhältnis OR betrug 0,31 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,20 – 0,47.
  • Beim Gesundheitsstatus fand sich nach zwei Wochen ein Unterschied von – 0,19 Punkten (95%-KI – 0,33 bis – 0,05) zugunsten der nach CRP-Messung therapierten Patienten auf der 6 Punkte umfassenden Skala.
  • Ein Rezept auf Antibiotika erhielten bei der ersten Konsultation 47,7 % der auf CRP Getesteten gegenüber 69,7 % in der Kontrollgruppe. Der Unterschied von 22 Prozentpunkten entsprach einem OR von 0,31 (95%-KI 0,21 – 0,45). Nach vier Wochen war das Verhältnis der Antibiotika-Verschreibungen 59,1 % zu 79,7 %, die Gruppendifferenz und das Chancenverhältnis waren kaum verändert.
  • Es gab zwei Tote in der Kontrollgruppe, die nach Einschätzung der Autoren jedoch nicht mit der Studienteilnahme zusammenhingen.

Klinische Bedeutung

Die CRP-Messung könnte eine einfache und praktikable Intervention sein, um den Antibiotika-Verbrauch bei COPD-Patienten mit einer Exacerbation zu reduzieren. Die Differenz von 20 Prozentpunkten war erheblich, und es gab keine Hinweise auf negative Auswirkungen der Messung.

Finanzierung: National Institute for Health Research, National Health Service.