Covid-19: Wie gefährdet sind Menschen mit HIV?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Eine Immundefizienz zählt zu den Vorerkrankungen, die das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung erhöhen.

  • HIV-Positive mit gut funktionierender ART und normaler Helferzellzahl haben nach derzeitiger Einschätzung sehr wahrscheinlich kein erhöhtes Risiko.

  • Laufende Studien zur Behandlung von Covid-19 mit HIV-Medikamenten lassen nicht den Schluss zu, dass die ART den Verlauf abmildert.

Bestimmte Gruppen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf zählen derzeit Alter, Rauchen sowie Begleiterkrankungen, insbesondere der Lunge, sowie die koronare Herzerkrankung, Diabetes mellitus und Immunschwäche. Doch wie sieht es bei Menschen mit HIV aus? Die Deutsche AIDS-Gesellschaft bezieht Stellung und auch die Deutsche Aidshilfe informiert.

  • Bislang gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Infektionsrate mit SARS-CoV2 von Menschen mit HIV gegenüber HIV-Negativen.

  • Zur Schwere des Verlaufs von Covid-19 bei einer bestehenden HIV-Infektion gibt es derzeit keine Belastenden Daten.

  • Ein durch eine nicht behandelte HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem zählt zu den Vorerkrankungen, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen. Eine erhöhte Letalität wird in diesen Fälle vermutet. Sicherheitshalber sollte von der Erhöhung des Risikos eines schweren Verlaufs bei antiretroviral unbehandelten Personen und bei CD4+-Zellen unter 200/μl ausgegangen werden.

  • Für Personen mit unbehandelter oder unzureichend behandelter HIV-Infektion und einer CD4+-Zellzahl unter 200/μl muss derzeit die Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV2 im Vordergrund stehen.

  • Die Deutsche AIDS-Gesellschaft , die Europäische Klinische AIDS-Gesellschaft, die Britische HIV-Gesellschaft sowie die Deutsche Aidshilfe teilen die Einschätzung, dass es nach derzeitigem Stand keine Daten gibt, die auf eine besondere Gefährdung von HIV-Positiven mit normaler Helferzellzahl und erfolgreicher HIV-Therapie hindeuten.

  • Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit des geboosterten HIV-Proteaseinhibitors Lopinavir gegen SARS-CoV-2 ergeben (möglicherweise auch von Darunavir), beziehungsweise die Kombination Ritonavir/Lopinavir, die derzeit in klinischen Studien getestet wird. Erste Daten einer kleinen Studie aus China haben jedoch kaum einen positiven Effekt ergeben.

  • Geprüft wird außerdem Ritonavir/Lopinavir in Kombination mit Interferon und Ribavirin.

  • Für eine Therapieempfehlung oder die Annahme, eine ART könne den Verlauf positiv beeinflussen, ist es derzeit noch zu früh.