COVID-19: wesentliche Risikofaktoren für tödliche Verläufe identifiziert

  • Lancet, WHO, Open Hosp Visual

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Erstmals sind in einer multivariaten Analyse bei stationär behandelten erwachsenen Patienten mit COVID-19 die Faktoren für ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko detailliert beschrieben worden.

  • So ist die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Verlauf bei D-Dimer-Werten von > 1 μg/mL deutlich erhöht, diese zeigen eine Überaktivierung des Gerinnungssystems an,
  • ebenfalls klar assoziiert mit erhöhter Mortalität sind ansteigende SOFA-Score-Werte (Sequential Organ Failure Assessment zur Einschätzung einer Organdysfunktion) und
  • und es ist das Lebensalter: mit jedem Lebensjahr, vor allem ab dem 50., steigt das Risiko an.

Hintergrund
Die Angaben zur Sterblichkeit durch Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 variieren. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation liegt die „rohe“ Sterblichkeit, also der Anteil der dokumentierten Sterbefälle zu den dokumentierten Erkrankungsfällen, zwischen 3 und 4 % (1). Die Mortalität sei damit deutlich höher als bei saisonaler Influenza mit durchschnittlich 0,1 % im Langzeitverlauf. Es starben bislang circa 4,7 Prozent der Männer, bei denen SARS-CoV-2-Infektion diagnostiziert worden ist, und circa 2,8 Prozent der Frauen.

Nun haben die beiden für die Versorgung von COVID-19-Patienten wichtigsten Kliniken der chinesischen Provinz Wuhan detalliert Risikofaktoren beschrieben (2).

Design

  • retrospektive Untersuchung der Assoziation zwischen tödlichen und nicht-tödlichen Verläufen mit demographischen und klinischen Merkmalen und mit Laborparametern bei 191 konsekutiv stationär aufgenommenen COVID-19-Patienten in der chinesischen Provinz Wuhan
  • Zeitraum der stationären Aufnahme: Dezember 2019 bis 31. Januar 2020
  • multivariate Regressionsanalyse mit Berechnung statistischer Signifikanzen

Hauptergebnisse

Von 191 in die Studie eingeschlossenen, stationär versorgten COVID-Patienten ≥ 18 Jahre starben 54 im Krankenhaus, 137 Patienten konnten im Beobachtungszeitraum entlassen werden. Die mulitvariate Regressionsanalyse ergab:

  • Mit jedem Lebensjahr, vor allem ab 50 Jahre, erhöht sich das Sterblichkeitsrisiko um relativ 10 % (Odds Ratio [OR]: 1,10; p = 0,0043),
  • mit zunehmenden SOFA-Score-Werten (2) bei der stationären Aufnahme erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Verlauf um den Faktor 5,65 (OR: 5,65; p
  • mit D-Dimer-Werten von > 1 μg/mL bei Krankenhauseinlieferung liegt die OR bei 18,65 (p = 0,0033).

Alle gestorbenen Patienten hatten eine Sepsis, bei 98 % versagte die Atmung, 52 % starben an Herzversagen. Bei den Komorbiditäten war vor allem die koronare Herzerkrankung mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko assoziiert, wenn auch nicht signifikant.

Die Patienten wurden durchschnittlich 21 Tage stationär versorgt (17-25 Tage). Bei überlebenden Patienten wurde eine Virusausscheidung für durchschnittlich 20 Tage nachgewiesen (17-24 Tage) und bei nicht überlebenden Patienten bis zu ihrem Tod.

In einer weiteren Studie (3) ist eine durchschnittliche Inkubationszeit von 5 Tagen bestätigt worden. 97,5 % der Patienten, die an COVID erkrankten, entwickelten innerhalb von 11,5 Tagen nach Exposition Symptome.

Klinische Bedeutung
Die konkreten Angaben von Faktoren, die bei Patienten mit COVID-19 das Mortalitätsrisiko erhöhen, können dazu beitragen, besonders gefährdete Patienten frühzeitig zu erkennen, so die Autoren. Die Virusausscheidung halte länger an als ursprünglich vermutet, so dass die Patienten entsprechend lange Isolierzimmer in den Kliniken benötigten. Eine Quarantäne von 14 Tagen wie bislang empfohlen, ist bei der ganz überwiegenden Mehrheit der potenziellen Virusübertrager ausreichend.

Finanzierung: öffentliche Mittel