COVID-19 verschlechtert Prognose von Patienten mit hämatologischen Tumoren

  • Lancet Haematology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Italienische Daten bestätigen, dass COVID-19-Patienten mit hämatologischen Tumor-Erkrankungen schlechtere Überlebenschancen haben als die Allgemeinbevölkerung mit COVID-19 und auch Patienten mit hämatologischen Tumor-Erkrankungen, aber ohne COVID-19.

Hintergrund

Mehreren kleinen Studien zufolge haben Patienten mit COVID-19 und hämatologischen Tumor-Erkrankungen eine besonders hohe Mortalität. Um hierzu weitere Erkenntnisse zu gewinnen, haben italienische Ärzte Daten von COVID-19-Patienten mit hämatologischen Malignomen ausgewertet, die wegen der Infektionskrankheit ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Design

Diese multizentrische, retrospektive Kohortenstudie umfasste 536 erwachsene Patienten (im Alter von ≥ 18 Jahren) mit einer hämatologischen Tumor-Erkrankung, die zwischen dem 25. Februar und dem 18. Mai 2020 in 66 italienischen Krankenhäusern mit laborbestätigter und symptomatischer COVID-19 aufgenommen wurden. Studienendpunkte waren die Mortalität und potenzielle prädiktive Mortalitätsparameter. Für die Berechnungen wurden zusätzlich Patienten mit hämatologischen Tumoren, aber ohne COVID-19 sowie COVID-19-Patienten aus der italienischen Bevölkerung herangezogen. 

Hauptergebnisse

  • Von den 536 Patienten (mediane Verlaufsbeobachtungszeit 20 Tagen) wurden 85 (16%) ambulant behandelt. 198 (37%) der 536 Patienten starben. 
  • Im Vergleich zur italienischen Allgemeinbevölkerung mit COVID-19 betrug die standardisierte Sterblichkeitsrate in der gesamten Studienkohorte 2,04 (95% CI 1,77 – 2,34), 3,72 (2,86 – 4,64) bei Personen unter 70 Jahren und 1,71 (1,44 – 2,04) bei den mindestens 70-Jährigen.
  • Im Vergleich zur Nicht-COVID-19-Kohorte mit hämatologischen Malignitäten betrug die standardisierte Mortalitätsrate 41,3 (38,1 – 44,9). 
  • Mit einer schlechteren Überlebenschance verbunden waren höheres Alter, progressiver Krankheitsverlauf, Diagnose einer akuten myeloischen Leukämie, eines indolenten Non-Hodgin-Lymphoms, eines aggressiven Non-Hodgkin-Lymphoms oder Plasmazell-Neoplasien und schwere oder kritische COVID-19.

Klinische Bedeutung

Diese Studie ergänzt die bislang vorliegenden Belege dafür, dass Patienten mit hämatologischen Tumor-Erkrankungen, die an einer Infektion mit SARS-CoV-2 erkranken, schlechtere Überlebenschancen haben als die Allgemeinbevölkerung mit COVID-19 und auch Patienten mit hämatologischen Tumor-Erkrankungen, aber ohne COVID-19. Die hohe Mortalität bei Patienten mit hämatologischen Malignomen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, unterstreicht nach Angaben der Autoren die Notwendigkeit aggressiver Strategien zur Infektionsprävention, zumindest bis wirksame Impf- oder Behandlungsstrategien verfügbar sind.