COVID-19-Sterblichkeit in Deutschland liegt international im mittleren Bereich

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für Deutschland wird die COVID-19-Sterblichkeit zwischen Mitte Februar bis Mitte September auf 11,3/100.000 Einwohner geschätzt, die Übersterblichkeit jeglicher Ursache auf circa 10,0/100.000 Einwohner. Dieser Wert ist international im mittleren Bereich. Deutlich darunter liegen zum Beispiel nordskandinavische Länder, Australien und Japan. Die USA dagegen haben eine im internationalen Vergleich anhaltend hohe Sterblichkeit.

Hintergrund
Mit Übersterblichkeit wird in der Demografie eine im Vergleich zu Erfahrungs- oder Erwartungswerten erhöhte Sterberate beschrieben. In die Übersterblichkeit fließen exogene Faktoren ein wie starke Schwankungen der Umgebungstemperatur mit gesundheitlicher Relevanz oder die Qualität der Versorgung.

Design

  • Vergleich der COVID-19-Sterblichkeit und der Übersterblichkeit jeglicher Ursache von Ländern mit jeweils mehr als 5 Mio. Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von > 25.000 $ pro Kopf
  • Berücksichtigung von 19 Nationen, zwischen denen internationale Handelsbeziehungen bestehen
  • Auswertungszeitraum: 13. Februar – 19. September 2020
  • Kategorien:
    • niedrige COVID-19-Mortalität
    • mittlere COVID-19-Mortalität 5-25/100 000 Einwohner
    • hohe COVID-19-Mortalität > 25/100 000 Einwohner

Hauptergebnisse

  • Die niedrigste COVID-19-Mortalität hatten unter den analysierten Ländern Südkorea mit 0,7/100.000 Einwohner, gefolgt von Japan (1,2/100.000) Einwohner und Australien (3,3/100.000 Einwohner).
  • Im mittleren Bereich, aber niedriger als in Deutschland lagen die Raten in Norwegen (5,0/100.000 Einwohner), Finnland (6,1/100.000 Einwohner) oder Österreich 8,6/100.000 Einwohner).
  • In Deutschland betrug die COVID-19-Mortalität in diesem Zeitraum 11,3/100.000 Einwohner, in der Schweiz 20,6/100.000 Einwohner, in Italien 59,1/100.000 Einwohner und in den USA 60,3/100.000 Einwohner.
  • Die Übersterblichkeit wird für Deutschland mit 10,3/100.000 Einwohnern angegeben, in den USA jedoch mit 71,6/100.000 Einwohnern.
  • Über dem Wert der USA liegen von den analysierten Ländern nur noch Großbritannien mit einer Übersterblichkeit von 94,5/100.000 Einwohner und Spanien mit 102,2/100.000 Einwohner.

Klinische Bedeutung
Die Übersterblichkeit während der COVID-19-Pandemie ist international von großem Interesse. Es fließen darin Faktoren ein, die die Sterblichkeit senken können wie weniger Autoverkehr zum Beispiel und andere indirekte Effekte. Für die USA ist nach Meinung der Autoren bemerkenswert, dass die Übersterblichkeit mit dem Ende des Frühjahrs nicht so stark gesunken ist wie in anderen Ländern, darunter Deutschland. Im Beobachtungszeitraum gab es in den USA 225.530 „Exzess“-Todesfälle.

Finanzierung: keine Angaben