COVID-19: starker Anstieg später Darmkrebsdiagnosen im zweiten Jahr der Pandemie

  • Helga Gutz
  • Clinical Summary
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Die Diagnosen von Darmkrebs (CRC) im Spätstadium haben während der COVID-19-Pandemie erheblich zugenommen, so das Ergebnis einer Untersuchung von fast 18.000 Patienten an 81 medizinischen Zentren in Italien.

Im ersten Jahr der Pandemie, im Jahr 2020, kam es zu einem Anstieg der lokal fortgeschrittenen Krebserkrankungen, aber im zweiten Jahr der Pandemie, im Zeitraum von Januar bis Dezember 2021, folgte "ein deutlicherer Anstieg der fortgeschrittenen Fälle", insbesondere der metastasierten Erkrankungen. "Dies geschah, nachdem die Lockdowns in Italien beendet waren und die Impfkampagnen begonnen hatten", sagte der leitende Forscher Matteo Rottoli, MD, PhD, Kolorektalchirurg an der Universität von Bologna, Italien.

"Einer der Gründe dafür ist, dass selbst nachdem die Screening-Programme in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 wieder normal liefen, die Gesamtzahl der Personen, die sich auf CRC untersuchen ließen, ‘viel niedriger’ war als in den Vorjahren", sagte er.

Neben anderen Faktoren hatten die Menschen wahrscheinlich immer noch "Angst", ihren Arzt aufzusuchen, um die Symptome untersuchen zu lassen - Symptome, die sie früher, vor der Pandemie, "dazu gebracht hätten, sofort zum Arzt zu gehen", erklärt Rottoli.

Infolgedessen hat "ein Teil der Bevölkerung definitiv das Zeitfenster für eine wirksame Vorsorgeuntersuchung verpasst", mit der CRC frühzeitig erkannt worden wäre. "Bei diesen Menschen wird wahrscheinlich eine Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert", sagte Rottoli, und es ist möglich, dass dies zum ersten Rückgang der CRC-Überlebensrate seit 20 Jahren führen wird.

Die Ergebnisse wurden am 21. November online in JAMA Network Open veröffentlicht.

Rottoli und sein Team riefen zu einer "groß angelegten Reaktion" auf, um die Situation zu entschärfen, aber er sagte Medscape Medical News, was dies letztlich beinhalte, sei "die Millionen-Dollar-Frage" − vielleicht eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen, schlug er vor.

Die Forscher analysierten 17.938 erwachsene Patienten mit CRC, die vor der Pandemie (vom 1. Januar 2018 bis 29. Februar 2020) oder während der Pandemie (vom 1. März 2020 bis 31. Dezember 2021) operiert wurden (einschließlich Resektionen, palliativer Maßnahmen und explorativer Operationen).

Bei Patienten, die sich während der Pandemie einem chirurgischen Eingriff unterzogen, war die Wahrscheinlichkeit für ein fortgeschrittenes CRC-Stadium um 7% höher, für eine aggressivere Krankheit um 32% höher, für stenotische Läsionen um 15% höher und für Fernmetastasen um 10% höher.

Die höhere Wahrscheinlichkeit für eine metastasierte Erkrankung sei ein besonders "besorgniserregender Befund, da eine metastasierte Erkrankung stark mit der krebsbedingten Sterblichkeit verbunden ist", so die Forscher.

Eine der Einschränkungen dieser Studie besteht darin, dass keine Mortalitätsdaten vorlagen, um die Auswirkungen auf das Gesamtüberleben zu bestätigen. Wie die Autoren anmerken, betrug die Nachbeobachtungszeit nur 30 Tage, was zu kurz ist, um Auswirkungen auf das Überleben zu beurteilen.

Der Artikel wurde in seiner ursprünglichen Form von M. Alexander Otto verfasst und erschien auf Medscape.com, Teil des Medscape Professional Network.