COVID-19: Sozialwissenschaftler geben Empfehlungen zur Kommunikation der Maßnahmen

  • Nature Human Behaviour

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Koalition von Sozialwissenschaftlern liefert eine Zusammenstellung von Maßnahmen, um die Kommunikation über COVID-19 zu verbessern und die Zielgruppen wirksamer anzusprechen.

Hintergrund

Angesichts der COVID-19-Pandemie sind massive Veränderungen des Verhaltens der gesamten Bevölkerung notwendig, die für den Einzelnen eine erhebliche psychologische Belastung darstellen können. Ein internationales Team von Sozial- und Verhaltensforschern hat deshalb nach wissenschaftlich belastbaren Strategien im Umgang mit der Krise gesucht.

Design

Mehr als 40 Forscher aus 7 Ländern (vorwiegend den USA) haben sich unter Leitung des Assistenzprofessors Jay Van Bavel (New York University Department of Psychology) für diese interdisziplinäre Übersichtsarbeit zusammengetan. Sie haben zahlreiche Punkte erarbeitet, wie man auf wissenschaftlicher Grundlage die Reaktion auf die Pandemie optimieren könnte – inklusive von Phänomenen wie Falschinformationen, Verschwörungstheorien, Diskriminierung und Stress. Gedacht sind die mit 253 Literaturverweisen versehenen Empfehlungen für Gesundheitsexperten, Politiker und Führungspersonal.

Ergebnisse

  • Relevante Faktoren bei der Reaktion auf die Krise lassen sich gliedern in: Die Wahrnehmung der Bedrohung, die (politische) Führung, individuelle und gemeinsame Interessen, die Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse, den sozialen Kontext, sowie Stressreaktionen z.B. durch die Isolation.
  • Die Nachrichten an die Bevölkerung sollten:
    • Den Nutzen für den Empfänger betonen,
    • an dessen moralischen Vorstellungen orientiert sein,
    • auf den Schutz anderer Menschen fokussieren,
    • an sozialen Konsens und wissenschaftliche Normen appellieren,
    • den Aspekt der Zustimmung durch das Gemeinwesen betonen.
  • Weitere sozialwissenschaftliche Einsichten lauten:
    • Der Gemeinsinn wird gefördert, wenn die Öffentlichkeit als Gemeinschaft angesprochen und das Wort „wir“ benutzt wird.
    • Appelle an das Gesundheitsverhalten können effektiv durch Quellen vermittelt werden, die für unterschiedliche Kreise glaubwürdig sind, wie beispielsweise religiöse oder lokale Führungspersönlichkeiten.
    • Führungspersönlichkeiten und die Medien könnten kooperatives Verhalten fördern, indem sie darauf hinweisen, dass andere sich ebenfalls so verhalten.
    • Soziales Verhalten lässt sich wirksamer erreichen, wenn die Aussicht auf soziale Anerkennung besteht.
    • Gesicherte Maßnahmen gegen COVID-19 sollten von Medien- und Meinungsführern unparteiisch unterstützt werden, um eine Polarisierung zu vermeiden.
    • Minderheiten und benachteiligte Bevölkerungsgruppen müssen gezielter mit Informationen versorgt werden, wobei öffentliche Einrichtungen mit vertrauenswürdigen Einrichtungen in diesen Gruppen kooperieren sollten.
    • Statt „sozialer Distanzierung“ sollte der Terminus „körperlicher Abstand“ benutzt werden. Damit werde signalisiert, dass Beziehungen auch bei körperlichem Abstand möglich sind.

Bedeutung

Diese Initiative richtet das Augenmerk auf wesentliche Aspekte des Krisenmanagements jenseits rein naturwissenschaftlicher oder ökonomischer Aspekte. Die Empfehlungen könnten einen wichtigen Beitrag leisten, um demokratisch legitimierte Maßnahmen auch erfolgreich umzusetzen. Jenseits der Politik können auch Ärzte und andere Vertreter des Gesundheitswesen von den Ratschlägen profitieren, da sie die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Kommunikation erhöhen dürften.

Finanzierung: Keine Angaben.