COVID-19: S1-Leitlinie zur intensivmedizinischen Therapie aktualisiert

  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

 

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und weitere Fachgesellschaften haben ihre Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19 aktualisiert. Seit der ersten Publikation der S1-Leitlinie Anfang März sind zahlreiche neue Erkenntnisse dazu gekommen.

„Diese neue Leitlinie findet einen breiten Konsens unter den beteiligten Experten sowie medizinischen Vereinigungen und gibt damit behandelnden Ärzten mehr Sicherheit bei der Arbeit“, betonen die Präsidenten der beiden federführenden Fachgesellschaften, Professor Dr. Uwe Janssens (DIVI) und Professor Dr. Stefan John (DGIIN).

Wichtiger Aspekt: Thromboseprophylaxe

Die aktualisierte S1-Leitlinie solle helfen, die vielen neuen Fragen zur Behandlung von COVID-19-Patienten zu beantworten, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaften. Dabei geht es vor allem um die Diagnostik, die Unterbringung und Hygienemaßnahmen sowie geeignete Maßnahmen bei hochgradigem Sauerstoffmangel im Blut, beim Kreislaufstillstand und Herz-Lungen-Wiederbelebung. Gezielt beleuchtet wird ausser der medikamentösen Therapie auch die Thromboseprophylaxe. So sollen alle stationär behandelten Patienten zur Prophylaxe einer venösen Thromboembolie niedermolekulares Heparin in einer für den Hochrisikobereich zugelassenen Dosierung erhalten, heißt es in der Leitlinie.

Auch die invasive Beatmung und wiederholte Bauchlagerung seien wichtige Elemente in der Behandlung von COVID-19-Patienten mit schwerem Sauerstoffmangel im Blut. „Prozeduren, die zur Aerosolbildung führen könnten, sollten – falls nötig – mit äußerster Sorgfalt und Vorbereitung durchgeführt werden“, erläuterte der Erstautor der S1-Leitlinie, Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Patientenwille muss erkennbar sein

Darüber hinaus gehen die Leitlinienautoren auch auf die ethischen Gesichtspunkte einer intensivmedizinischen Behandlung ein. Dies erfordere laut Leitlinie immer zwei Voraussetzungen. Zum einen müssen die behandelnden Ärzte dafür eine medizinische Indikation stellen, zum anderen müsse die Behandlung dem Patientenwillen entsprechen. Ebenfalls sollten die Behandlungen immer durch ein multidisziplinäres Team erfolgen, zu dem „in jedem Fall Intensivmediziner, Pflegekräfte, Infektiologen und Krankenhaushygieniker gehören“, betonen die Studienautoren.

An der neuen Version der Leitlinie haben sich alle intensivmedizinisch relevanten Fachgesellschaften beteiligt. „Bei den zahlreichen neuen wissenschaftlichen Herausforderungen rund um COVID-19 gehen wir aber davon aus, dass unsere Leitlinie auch schon in einigen Monaten weiter ergänzt werden könnte“ , lautet das Fazit der Fachgesellschaften.