COVID-19: Robert Koch-Institut startet bundesweite Antikörper-Studien

  • Robert Koch-Institut

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Das Robert Koch-Institut (RKI) startet in Kürze drei großangelegte Antikörper-Studien. Geplant sind Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in ausgewählten COVID-19-Ausbruchsgebieten, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Instituts. Längerfristig sei ebenfalls eine bundesweite repräsentative Studie geplant. Die Studien finden unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie an der Berliner Charité und der Abteilung Epidemiologie am helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig statt.

Abschätzung von Verlauf und Schwere der Pandemie

„Von diesen Studien erwarten wir uns ein genaueres Bild über das SARS-CoV-2-Geschehen in Deutschland“, sagte RKI- Präsident Prof. Lothar H. Wieler. Bisher sei nicht bekannt, wie viele Menschen in Deutschland eine Infektion tatsächlich durchgemacht haben, da diese häufig mild oder sogar unbemerkt verlaufe. Die Ergebnisse der Antikörper-Studien seien außerdem von großer Bedeutung, um Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können.

Bei Antikörper- oder serologischen Studien wird das Blut der Probanden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. Antikörper lassen sich frühestens ein bis zwei Wochen nach der Infektion nachweisen; entsprechende Labortests sind laut RKI erst seit kurzem verfügbar.

Serologische Untersuchung an Blutspendern

Noch in dieser Woche soll voraussichtlich eine serologische Studie in Zusammenarbeit mit den Blutspendediensten starten, teilt das RKI mit. Alle 14 Tage sollen etwa 5.000 Blutproben von Erwachsenen aus ganz Deutschland auf Antikörpergegen SARS-CoV-2 untersucht werden. So können laut RKI Rückschlüsse auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung gezogen werden. Erste Ergebnisse werden Anfang Mai 2020 erwartet.

Seroepidemiologische Studien an mehreren „Hotspots“

Eine weitere Studie soll nach Angaben des RKI Mitte April in Zusammenarbeit mit Forschern um Prof. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig beginnen. In jedem von insgesamt vier besonders schwer betroffenen Orten (COVID-19 Hotspots) werden etwa 2000 Probanden ab 18 Jahre mehrfach auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. Die getesteten Personen werden zusätzlich u.a. zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumständen und psychischer Gesundheit befragt. Mit ersten Ergebnissen ist laut RKI im Mai 2020 zu rechnen.

Ziel der örtlich begrenzten Studien sei es, durch die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in repräsentativen Stichproben der Einwohner die Immunität in der Bevölkerung vor Ort abzuschätzen. Auch der Anteil asymptomatischer Infektionen und Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung sollen besser abgeschätzt werden.

Bundesweite bevölkerungsrepräsentative seroepidemiologische Studie

In einer dritten, bundesweiten Studie, die erst im Mai starten wird, sollen 15.000 Personen ab 18 Jahre an 150 Studienorten untersucht werden. Auch in dieser Studie werden die Probanden zusätzlich u.a. zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumstände und psychischer Gesundheit befragt. Erste Ergebnisse werden im Juni 2020 erwartet, teilt das RKI mit. Durch die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in einer bundesweit repräsentativen Stichprobe solle die tatsächliche Verbreitung, Immunität, der Anteil asymptomatische Infektionen, die tatsächliche Sterberate und Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung in Deutschland besser abgeschätzt werden.