COVID-19: Risiko für schwere Verläufe bei Rheumapatienten nur durch Glukokortikoidtherapie erhöht

  • Ann Rheum Dis

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die meisten Rheumapatienten, die an COVID-19 erkranken, erholen sich von der Infektion, auch wenn sie Immunsuppressiva einnehmen. Weder synthetische, noch biologische krankheitsmodifizierende Substanzen, Zytokininhibitoren oder nichtsteroidale antiinflammatorische Arzneimittel sind mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe von COVID-19 und stationärer Behandlung assoziiert. Lediglich Glukokortikoide ab einer Dosierungen von 10 mg/Tag könnten das Risiko für eine stationär zu behandelnde COVID-19-Erkrankung erhöhen.

Hintergrund
Menschen mit einer Immunsuppression gelten als Risikopatienten für COVID-19. Deshalb gibt es die Befürchtung, dass Rheumapatienten durch eine immunsupprimierende oder immunregulierende Medikation gefährdet werden könnten. Ob ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht, ist auf Basis einer Fallserie aus einem internationalen Register ermittelt worden.

Design

  • Analyse einer Fallserie aus dem COVID-19-Global Rheumatology Alliance Registry
  • Zeitrahmen der Dokumentation: 24. März bis 20. April
  • teilnehmende Länder: 40
  • registrierte Patienten mit Rheuma und COVID-19: 600
  • Medikationen: synthetische krankheitsmodifizierende Substanzen (sDMARDs) wie Cyclophosphamid, Leflunomid oder Methotrexat, biologische DMARDs wie Abatacept und Belimumab, Zytokininhibitoren wie IL-1- oder IL-6-Hemmer, Tumor-Nekrose-Faktor-Inhibitoren, Januskinaseinhibitoren und Glukokortikoide
  • Multivariate Regressionsanalyse unter Berücksichtigung von relevanten Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schwere der rheumatischen Erkrankung und Komorbiditäten

Hauptergebnisse

277 Patienten, das sind fast die Hälfte der Teilnehmer (46 %), wurden wegen COVID-19 stationär behandelt, 55 Patienten starben (9 %). Bis auf Glukokortikoide ab einer mittleren Dosierung waren keine der berücksichtigten Medikamente mit einem erhöhten Risiko für eine stationäre Behandlung von COVID-19 assoziiert, weder als Mono-, noch als Kombinationstherapie. Bei einer Einnahme von Prednison ≥10 mg/Tag verdoppelte sich die Häufigkeit einer Klinikbehandlung von COVID-19 (Odds Ratio: 2,05). Eine Medikation mit Tumor-Nekrose-Faktor-Inhibitoren dagegen reduzierte das Risiko für die stationöre Behandlung von COVID-19 (Odds Ratio: 0,40).

Klinische Bedeutung
„Diese Daten weisen daraufhin, dass sich die meisten Patientinnen und Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen von COVID-19 gut erholen, unabhängig davon, welche Medikamente sie erhalten“, kommentiert Prof. Dr. med. John Isaacs von der University of Newcastle in Großbritannien für die European League Against Rheumatism (EULAR). „Aber es ist weiterhin wichtig, Wissen über den Verlauf einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zusammenzutragen, um die Qualität der Daten noch zu verbessern.“ Die EULAR habe eine europäische Forschungsdatenbank eingerichtet (www.eular.org/eular_covid19_database.cfm).

Finanzierung: keine Angaben