COVID-19: Remdesivir, die zweite Welle und ein Gottesdienst


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Die EU-Arzneimittelbehörde empfiehlt nun auch, Remdesivir für die Therapie von bestimmten COVID-19-Patienten verfügbar zu machen. Die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann warnt vor einer „zweiten Infektionswelle“. Die erste Welle von Infizierten im Schlachthof Tönnies soll es Ende Mai im Zusammenhang mit einem Gottesdienst gegeben haben.

Remdesivir für Erwachsene und Jugendliche ab 12 empfohlen

Für manche COVID-19-Patienten wird es sehr wahrscheinlich bald auch in Europa ein spezifisch für die Krankheit zugelassenes antivirales Medikament geben: Wie die Europäische Arzneibehörde (EMA) mitteilt, hat sie die Zulassung von Remdesivir zur Behandlung von Erwachsenen und Heranwachsenden ab 12 Jahren mit COVID-19 empfohlen, so die EMA . Voraussetzung für eine Behandlung ist, dass der Patient eine Pneumonie hat und zusätzlichen Sauerstoff benötigt.

Von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde ( FDA ) hat Remdesivir bereits eine Sondergenehmigung für die Anwendung bei hospitalisierten COVID-19-Patienten erhalten. Auch in Japan ist bereits eine Genehmigung erteilt worden. Die Genehmigungen und die aktuelle Empfehlung der EMA basieren im Wesentlichen auf zwei Studien, die beide im „New England Journal of Medicine“ erschienen sind. In der einen Studie , vom Hersteller finanziert, verglichen die Autoren zwei unterschiedliche Therapie-Regime (10 Tage Therapie mit Remdesivir versus 5 Tage). Ergebnis war, dass die kürzere Therapie genügt. Die andere, vom US-Staat finanzierte Studie enthielt eine Placebo-Kontroll-Gruppe. 

Ausgewertet wurden die Daten von 1063 COVID-19-Patienten; das Durchschnittsalter betrug knapp 59 Jahre, fast zwei Drittel waren Männer, rund 20 Prozent Afro-Amerikaner. Nur etwa jeder fünfte Patient hatte keine Vorerkrankung. Mehr als jeder zweite Patient (52%) hatte zwei oder mehr Vorerkrankungen. COVID-19-Patienten, die Remdesivir erhielten, benötigten im Median 11 Tage bis zur Genesung (Entlassung aus dem Krankenhaus), Patienten mit Placebo hingegen 15 Tage. Von der Remdesivir-Therapie profitierten insbesondere Patienten, die zusätzlichen Sauerstoff benötigten. Patienten hingegen, die maschinell beatmet wurden oder eine ECMO erhielten, profitierten nicht von Remdesivir. Nicht signifikant war das Resultat bei der Mortalität.

Von dem intravenös applizierten RNA-Polymerase-Hemmer soll es laut Gilead Sciences bald auch eine inhalative Applikationsform geben, wie das Unternehmen vor wenigen Tagen mitgeteilt hat. Klinische Phase-1-Studien könnten möglicherweise bereits im August starten, hofft Gilead Sciences. 

Virologin: auch Reisebeschränkungen können nötig sein

Viele Menschen sehnen sich nach einem Leben wie vor der COVID-19-Pandemie und hoffen auf weitere Lockerungen. Doch die Sorge vor einer zweiten Welle ist groß und wird durch Ereignisse wie dem lokalen Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies sicher nicht kleiner. Um eine neue Corona-Welle zu verhindern, helfe nur, den Ausbruch lokal einzukapseln, auch durch Reisebeschränkungen. Sonst könnten alle bisherigen Anstrengungen umsonst gewesen sein, so die Virologin Professor Melanie Brinkmann (TU Braunschweig) in einem tagesschau.de-Interview. 

Und: Die Gefahr einer zweiten Welle sei insbesondere dann groß, wenn zum Herbst einerseits Maßnahmen weiter gelockert würden und die Menschen sich wieder mehr in geschlossenen Räumen aufhielten. Un sollte im Herbst das Alltagsverhalten der Menschen wieder fast so sein wie vor der Coronazeit, sei eine zweite Welle leider wahrscheinlich, so Melanie Brinkmann. In manchen Ländern gebe es schon eine zweite Welle auch im Hochsommer, zum Beispiel in Israel. Die Immunität der deutschen Bevölkerung sei schlichtweg in einem ganz niedrigen Bereich und werde uns nicht schützen können.

Am Anfang war angeblich ein Gottesdienst

Die erste Welle von Infizierten im Schlachthof Tönnies in Rheda-Wiedenbrück habe es nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums Ende Mai im Zusammenhang mit einem Gottesdienst gegeben, so eine Meldung von t-online.de . Das habe Staatssekretär Edmund Heller gestern in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im Landtag eingeräumt. Damit gerate NRW-Ministerpräsident Armin Laschet weiter unter Druck. Der CDU-Politiker hatte relativ früh - anders als die Bundeskanzlerin (Stichwort: „Öffnungsdiskussionsorgien“) - für Lockerungen plädiert und sich zum Beispiel dafür eingesetzt, Gottesdienste wieder möglich zu machen. Ab dem 1. Mai fanden Gottesdienste dann wieder statt.  Recherchen von t-online.de   hätten, wie das Portal mitteilt, „den möglicherweise entscheidenden Beitrag des Gottesdienstes am 17. Mai zum Infektionsgeschehen öffentlich gemacht“.