COVID-19: Prophylaktische Azithromycin-Gabe hilft nicht bei leichtem bis mittelschwerem Verlauf

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit milder oder mittelschwerer COVID-19-Erkrankung, die ambulant versorgt werden, haben keinen klinischen Vorteil davon, Azithromycin einzunehmen mit dem Ziel, einer Verschlechterung der Erkrankung vorzubeugen. Das Makrolid hat keine prophylaktische Wirkung, wie eine größere, randomisierte Studie belegt. Von einer rein prophylaktischen Gabe dieses Antibiotikums wird daher abgeraten.

Hintergrund

Von Azithromycin sind außer der antibiotischen Wirkung auch antivirale und antiinflammatorische Effekte bekannt. Die antientzündlichen Wirkungen werden auf die dosisabhängige Suppression der Produktion von proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin (IL) 1ß, IL 6, IL 8, IL 18 und TNF zurückgeführt. Azithromycin galt daher als Kandidat, mit dem - als einer von mehreren prophylaktischen Komponenten - einer Entwicklung hin zu schweren Verläufen vorgebeugt werden kann. In einer randomisierten Studie ist die Fragestellung einer solchen prophylaktischen Wirksamkeit untersucht worden.

Design

  • Studienform: prospektive, multizentrische, randomisierte, offene Überlegenheitsstudie
  • Teilnehmende Zentren: 19 britische Kliniken
  • Teilnehmende Patienten: erwachsene Patienten (Durchschnittsalter: 45,9 Jahre) mit klinischer Diagnose einer leichten bis mittelschweren COVID-19-Erkrankung bei einem sicheren oder hoch wahrscheinlich positiven Laborbefund (SARS-CoV-2)
  • Studientherapie: initial ambulante Standardversorgung mit Randomisierung (1 : 1) in eine Gruppe mit zusätzlich Azithromycin 500 mg oral ein Mal täglich für 2 Wochen oder Standardbehandlung allein
  • Medikamentöse Therapie im Rahmen der Standardversorgung: Glukokortikoide, Immunmodulatoren, antivirale Arzneimittel und Antibiotika außer Makroliden und Chinolonen waren erlaubt
  • Primärer Endpunkt: Notwendigkeit einer stationären Therapie aus jeglicher Ursache und Sterblichkeit, beides im Zeitraum 28 Tage nach Randomisierung

Hauptergebnisse

  • 298 COVID-19-Kranke wurden eingeschlossen; von 292 waren alle Daten zum primären Endpunkt verfügbar (145 Patienten in der Azithromycingruppe und 147 in der Standard-of-Care-Gruppe).
  • 15 Patienten aus der Azithromycingruppe (10 %) mussten stationär behandelt werden und einer von ihnen starb, 17 Patienten (12 %; darunter 1 Todesfall) waren es in der Gruppe, die allein auf Basis der jeweiligen regionalen Standards oder Klinik-SOPs behandelt wurden (adjustierte Odds Ratio: 0,91 [95-%-Konfidenzintervall] [0,43–1,92], p = 0,80).
  • Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Effekte im Zusammenhang mit der Azithromycin-Therapie auf.

Klinische Bedeutung
Patienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung, die ambulant versorgt werden können, profitieren nicht von einer prophylaktischen Einnahme von Azithromycin. Für das Antibiotikum habe sich kein Vorteil ergeben unter dem Aspekt, dass diese Therapie zur Vorbeugung einer schweren Erkrankung hätte beitragen können.

Finanzierung: öffentliche Mittel