COVID-19: Positives zur Impfung, eine Botschaft zu Clustern, und eine zum richtigen Lüften


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Möglicherweise steht bereits in einem halben Jahr ein erster Impfstoff gegen das neue Corona-Virus zur Verfügung. Der Berliner Virologe Professor Christian Drosten hat in der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen „Plan für den Herbst“ vorgelegt. Danach müsse sich vor allem auf die Cluster konzentriert werden. Die Corona-Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten ist Medienberichten zufolge an den Flughäfen in Deutschland im Großen und Ganzen unproblematisch angelaufen. Und: Auch richtig lüften will gelernt sein. 

Ein Impfstoff in wenigen Monaten?

Laut EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides könnte der erste Impfstoff gegen Covid-19 in rund sechs Monaten zur Verfügung stehen. Der entscheidende Durchbruch zur Bekämpfung der Krankheit lasse nicht mehr allzu lange auf sich warten, so Stella Kyriakides im Gespräch mit dem Handelsblatt".

„Auch wenn Vorhersagen zum jetzigen Zeitpunkt noch riskant sind, haben wir doch gute Hinweise, dass der erste Impfstoff gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres verfügbar sein wird", wird Stella Kyriakides im „Handelsblatt“ zitiert. Der Impfstoff könne zwar nicht auf Anhieb alle Probleme lösen. Aber er werde schrittweise erlauben, zur Normalität zurückzukehren, wenn eine kritische Masse von Bürgern insbesondere in den Risikogruppen geimpft worden sei.

Positiver Start der Testpflicht für Reise-Rückkehrer

Am Flughafen Frankfurt am Main haben viele Rückkehrer einen Abstrich machen lassen. Aus Sicht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Testzentren an dem Flughafen betreibt, habe es laut „tagesschau.dekeine Schwierigkeiten gegeben. „Die Leute haben Verständnis. Es gibt keine verärgerten Passagiere", werde ein DRK-Mitarbeiter von der Nachrichtenagentur „dpa“ zitiert.

Vereinzelt seien Schlangen vor Testzentren an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie am Flughafen Hannover aufgetreten. Am Flughafen Köln-Bonn seien die Tests weitgehend zügig verlaufen, ebenso an den Teststationen am Münchner Flughafen. Hier gäbe es allerdings noch nicht so viele Heimreisende - erst vor kurzem hätten in Bayern die Schulferien begonnen.

Auch am Hamburger Flughafen hätten Einreisende aus Urlaubsländern in Spitzenzeiten nicht länger als 30 Minuten auf den Abstrich warten müssen, habe die zuständige Sozialbehörde mitgeteilt. Probleme gab es auch hier nicht. Allerdings hätten nicht alle Reisende den kostenlosen Service schon am Flughafen genutzt, heißt es laut „tagesschau.de".

Christian Drosten: „Es kommt auf die Cluster an.“

Die Cluster seien es, die die Epidemie trieben, erklärt der Berliner Corona-Spezialist Professor Christian Drosten in einem eigenen Beitrag in der aktuellen „Zeit“ (Ausgabe 33). Die gezielte Eindämmung von Clustern sei anscheinend wichtiger als das Auffinden von Einzelfällen durch breite Testung. Behörden müssten ihre Kräfte daher auf die Cluster konzentrieren, „wenn die zweite Welle an vielen Stellen gleichzeitig beginnt“. Wie das funktioniere, könne ein Blick nach Japan zeigen. Dort seien die Bürger frühzeitig vor großen Menschenansammlungen, geschlossenen Räumen und engem Kontakt gewarnt worden. Wie anderswo in Asien seien Masken in Japan weit akzeptiert. Statt viel und ungezielt zu testen, habe Japan früh darauf gesetzt, Übertragungscluster zu unterbinden. Dazu habe das Land offizielle Listen von typischen sozialen Situationen erstellt, in denen Übertragungscluster entstünden, und sie öffentlich bekannt gemacht. Im Falle eines erkannten Infektionsfalles hätten die Gesundheitsbehörden in der Kontakthistorie dann gezielt nach bekannten Clusterrisiken gesucht.

Auch richtig lüften sollte gelernt sein

Die richtige Belüftung von Innenräumen, etwa Klassenzimmern und Büroräume, hat auf das Infektionsgeschehen einigen Einfluss, wie Forschungsbefunde vor allem zur Virus-Übertragung durch Aerosole gezeigt haben. Entscheidend sei dabei, „dass wir die bestehenden Regeln zum Lüften beachten. Sonderregeln sind derzeit noch nicht nötig“, sagt dazu Prof. Dr. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin, der laut einer Mitteilung der TU-Berlin bereits seit Jahren an der Ausbreitung von Aerosolen forscht.

Fensterlüftung oder Lüftungsanlagen?

„Zahlreiche Studien zeigen, dass die meisten Menschen kein Gefühl dafür haben, wann und wie oft gelüftet werden muss, um die CO2-Konzentration unterhalb des Grenzwertes zu halten. Vom Gefühl her wird Fensterlüftung den Lüftungsanlagen häufig vorgezogen. Aber: In der Regel ist bei Fensterlüftung die Luftqualität deutlich schlechter. Wir verbinden oft die Temperatur im Raum mit der Luftqualität. Das ist aber völlig falsch“, sagt Martin Kriegel. Da lange nicht alle Arbeitsstätten, Büros oder Schulen über Lüftungsanlagen verfügen, empfiehlt er dringend, die Leitfäden zur Fensterlüftung zu beachten – zum Beispiel vom Umweltbundesamt und die Arbeitsstättenrichtlinie ASR 3.6. 

„Wendet man diese Regeln an, wird man feststellen, dass viel öfter gelüftet werden muss, als man denkt. Eine gute Hilfe für das Erlernen eines normalen Lüftungsverhaltens sind zum Beispiel CO2-Messungen in geschlossenen Räumen. Diese zeigen an, wann der Grenzwert überschritten wird. Parallel zu der CO2-Konzentration steigt auch die Belastung mit Aerosolen, die man nicht so einfach messen oder wahrnehmen kann. Somit ist die CO2-Messung ein guter Indikator für die richtige Frischluftzufuhr.“ Ein Übertragungsrisiko mit SARS-CoV-2 besteht nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vor allem bei „längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen“.