COVID-19: Positives zur Antikörper-Therapie, Negatives zu Remdesivir


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Nach Eli Lilly hat nun auch Regeneron für seine Antikörper-Therapie von der FDA eine Notfallzulassung erhalten. COVID-19 unterscheidet sich deutlich von einer scheren Influenza, wie nun auch eine Analyse von Autopsie-Befunden zeigt. Die WHO hat sich gegen die Therapie mit Remdesivir ausgesprochen. Laut der Hans-Böckler-Stiftung verschärft die Corona-Krise die Ungleichheit.

„Frohe Botschaft“ für Regeneron

Die FDA hat der Antikörper-Therapie des Unternehmens Regeneron eine Notfallzulassung zur COVID-19-Therapie erteilt. Damit kann der Cocktail aus zwei Antikörpern bei Patienten ab zwölf Jahren eingesetzt werden, bei denen das Risiko besteht, dass sie schwere COVID-19-Symptome entwickeln. Patienten, die sich im Krankenhaus befinden oder zusätzlich Sauerstoff benötigen, dürfen das Medikament nicht bekommen. Die FDA erteilte die Zulassung nach einer klinischen Studie mit 799 nicht hospitalisierten Erwachsenen mit leichten bis mittelschweren Symptomen. Nach Angaben der „New York Times" erhielt Regeneron von der US-Regierung mehr als 500 Millionen Dollar für die Entwicklung des Medikaments. Die ersten 300.000 Dosen werden von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt, aber die Patienten müssen möglicherweise Kosten an Gesundheitseinrichtungen zahlen, um das Medikament verabreicht zu bekommen, teilte der Arzneimittelhersteller in einer Erklärung mit. Vor wenigen Tagen hatte die US-Behörde bereits einer ähnlichen Antikörper-Therapie von Eli Lilly eine Notfallgenehmigung zur COVID-19-Therapie erteilt. Auch diese Therapie ist nicht für COVID-19-Patienten zugelassen, die im Krankenhaus behandelt werden oder zusätzlich Sauerstoff erhalten müssen. 

Spanische Grippe und SARS-CoV-2: deutliche Unterschiede

1918/1919 wütete die spanische Grippe. Weltweit starben rund 50 Millionen Menschen. Die aktuelle COVID-19 Pandemie hat bisher über 1,33 Millionen Menschenleben gefordert. Oft werden die Todesursachen von COVID-19 mit jenen einer saisonalen Grippe verglichen. Eine Analyse von Autopsieberichten zeigt nun, dass dieser Vergleich hinkt.

Eine Forschergruppe um den Pathologen Professor Dr. Holger Moch (USZ: Universitätsspital Zürich) hat die Autopsiebefunde von 411 Patienten ausgewertet, die zwischen Mai 1918 und April 1919 an der spanischen Influenza A-Pandemie im USZ gestorben sind, und mit jenen der bisher veröffentlichen COVID-19 Autopsien verglichen. Die Ergebnisse sind im „Journal of Pathology“ erschienen.

Der Vergleich der Befunde zeigt einen deutlichen Unterschied: In keinem einzigen der Autopsieberichte zur spanischen Grippe werden sichtbare Blutgerinnsel erwähnt. Dagegen wird in 36% der 75 bisher publizierten COVID-19 Autopsien eine Lungenarterien-Thrombose, bzw. eine Lungenembolie angegeben. Und dies obschon diese Patienten eine normale Thrombose-Prophylaxe erhielten. Dieser Befund steht im Einklang mit der Erkenntnis aus früheren Studien, wonach COVID-19 zu einer generalisierten Entzündung des Gefäss-Endothels und damit zu vermehrter Blutgerinnselbildung führen kann. Dies würde die hohe Inzidenz von Lungenembolien erklären, auch bei Patienten ohne zugrundliegende tiefe Venenthrombose oder sonstiger Risikofaktoren für Thrombosen. Auch sogenannte kapillare Mikrothromben werden bei Corona-Patienten deutlich häufiger beobachtet als bei Patienten mit einer „normalen“ Grippe.

WHO spricht sich gegen Therapie mit Remdesivir aus

Laut einem Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bislang keine ausreichenden Beweise dafür, dass Remdesivir die Sterberate senkt, vor einer maschinellen Beatmung schützt und die Zeit bis zur klinischen Besserung verkürzt. Aufgrund der Studiendaten zum klinischen Nutzen und auch den Behandlungskosten könne eine Therapie mit den antiviralen Wirkstoff von Gilead  nicht empfohlen werden. Die von der WHO beauftragten Wissenschaftler betonen allerdings auch, dass die bisher vorliegenden Daten nicht die Wirkungslosigkeit von Remdesivir bewiesen. Weitere Studien seien wünschenswert .

Die FDA hatte Remdesivir im Oktober zur Behandlung offiziell zugelassen. Auch in Europa hatte die zuständige Arzneimittelbehörde Remdesivir als erstes Medikament überhaupt zugelassen, allerdings nur für schwer kranke Patienten. Basis dieser Entscheidung waren die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 1000 Patienten, wonach das antivirale Medikament die Dauer der Symptome um ein paar Tage verkürzt. Die große WHO-Studie SOLIDARITY konnte hingegen keinen Nutzen belegen:  Die Sterberate war, wie berichtet, in der Gruppe mit Remdesivir nicht signifikant geringer als in der Kontroll-Gruppem(11,0 versus 11,2 Prozent). Remdesivir-Hersteller Gilead Science äußerte sich Medienberichten zufolge enttäuscht. Der Pharmakonzern erklärte, sein Mittel sei „von mehreren glaubwürdigen nationalen Organisationen anerkannt". Die WHO „ignoriere“ anscheinend diese Belege zu einer Zeit, da die Fälle rund um die Welt dramatisch stiegen und Ärzte auf das antivirale Medikament als erste und einzige zugelassene Behandlung für Patienten mit COVID-19 angewiesen seien. Der Nutzen des Medikaments - und vor allem die Preispolitik des Unternehmens - sei schon länger umstritten, heißt es zum Beispiel im „Manager Magazin"

Hans-Böckler-Stiftung: Corona-Krise verschärft Ungleichheit

Der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland werde durch die Corona-Pandemie weiter wachsen, meldet die Hans-Böckler-Stiftung. Denn Erwerbspersonen mit schon vorher niedrigen Einkommen seien im bisherigen Verlauf der Corona-Krise fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohen Einkommen – und sie hätten zudem relativ am stärksten an Einkommen verloren. Laut der Stiftung hätten alle Befragten im Durchschnitt bis Juni knapp 32 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. In der Gruppe jener mit einem Haushaltseinkommen unter 1500 Euro seien es aber deutlich über 40 Prozent gewesen, bei den Beschäftigten mit Haushaltseinkommen zwischen 1500 und 2000 Euro  37 Prozent. Von den Befragten mit einem Haushaltsnetto von über 4500 Euro hätten lediglich 26 Prozent von Einbußen berichtet. Damit verschärfe sich ein Trend, der auch die wirtschaftlich starken 2010er-Jahre gekennzeichnet habe: Die 20 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkünften blieben von einer insgesamt recht positiven Einkommensentwicklung weitgehend abgekoppelt.