COVID-19-Patient mit kardiogenem Schock: Corona-Virus im Herzgewebe gesichtet

  • European Journal of Heart Failure

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Italienische Ärzte haben bei einem Patienten einen weiteren Beleg dafür gefunden, dass das neue Corona-Virus auch akute Herzschäden verursachen kann: Bei einem infizierten Mann mit progredienter Ateminsuffizienz und kardiogenem Schock fanden sie Virus-Partikel in interstitiellen Makrophagen und deren Umgebung, allerdings nicht in Myozyten selbst.

Der Patient und seine Geschichte

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 69-jährigen Mann, der wegen zunehmender Atemnot, persistierendem Husten und seit vier Tagen bestehender Schwäche in die Notaufnahme eines Krankenhauses in der Lombardei kam. 

Befunde und Verlauf

Der PCR-Test bestätigte den Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus. 

Labor-Untersuchungen ergaben eine Lymphopenie, erhöhte CRP- und Troponin-Werte, eine schwere metabolische Azidose und eine Hypoxämie.

Echokardiografie: dilatierter linker Ventrikel (enddiastolischer Durchmesser 56 mm), diffuse linksventrikuläre Hypokinesie und eine Ejektionsfraktion von 34 Prozent, die innerhalb von drei Stunden auf 25 Prozent sank (systolischer Blutdruck: 80/67/60 mmHg). Der Mann musste intensivmedizinisch versorgt werden, einschließlich ECMO; 12 Tage nach der Entwöhnung von der ECMO entwickelte er jedoch eine Pneumonie durch Pseudomonas aeruginosa sowie Klebsiella pneumoniae) und starb innerhalb weniger Stunden an einem septischen Schock.

Die histologische Untersuchung (Endomyokard-Biopsie) ergab eine 

  • niedrig-gradige interstitielle und endokardiale Entzündung
  • große (>20 μm) CD68‐positive Makrophagen mit Membranschäden und zytoplasmatischen Vakuolen
  • einzelne und kleine Gruppen von Virus-Partikel (Durchmesser 70–120 nm) mit den charakteristischen „Spikes"
  • In Myozyten wurden hingegen keine Virus-Partikel gesehen. Myozyten-Nekrosen fanden die italienischen Ärzte ebenfalls nicht.

Diskussion

Der Fall sei bislang einzigartig, schreiben die Autoren. Er zeige zum einen, dass das neue Corona-Virus nicht allein im Lungengewebe, sondern auch im Gewebe anderer Organe vorkommen könne. Bei COVID-19-Patienten mit nicht-ischämischem akutem Myokardschaden komme es wahrscheinlich zu einer passageren Virämie oder einer Migration infizierter Makrophagen aus der Lunge. 

Die Klärung der Ursache einer akuten Myokardläsion kann nach Angaben der Autoren dazu beitragen, die unterschiedliche Entwicklung der schweren SARS-CoV-2-Infektion zu verstehen und die Therapie entsprechend der Art der Myokardläsion zu planen. Eine Option könnte zum Beispiel eine anti-inflammatorische Therapie sein.