COVID-19: Pädiater und Hygieniker: "Erkenntnisse sprechen gegen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Kinder"


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Kitas, Kindergärten und Grundschulen sollen zeitnah, unter Berücksichtigung der regionalen Neuinfektionsrate und der vorhandenen Kapazitäten, wieder uneingeschränkt eröffnet werden. Das geht aus einer gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) und dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte (bvkj) hervor.

Keine Maskenpflicht für Kinder

Eine Öffnung von Kitas, Kindergärten und Schulen soll nach Auffassung der Fachgesellschaften für die Kinder ohne massive Einschränkungen, wie etwa Kleinstgruppenbildung, Abstandswahrung oder Maskentragen, möglich sein. Entscheidender als die individuelle Gruppengröße sei vielmehr „die Frage der nachhaltigen Konstanz der jeweiligen Gruppe und Vermeidung von Durchmischungen“, heißt es in der aktuellen Stellungnahme.

Es reiche laut den Fachgesellschaften aus, wenn die Kinder in Grundregeln der Hygiene spielerisch und kindgerecht unterwiesen werden. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen und achtsames Hygieneverhalten im Umgang miteinander, beim Essen und in den Sanitäreinrichtungen. Auch die angemessene Ausstattung aller Schultoiletten und Händewaschplätze mit Seifenspendern und Papierhandtüchern hätte nach heutigem Wissensstand langfristig erhebliche positive Auswirkungen auf die Ausbreitung vieler anderer kontagiöser Erreger in solchen Einrichtungen, so die Fachgesellschaften.

Keine Hochrisikoumgebung in Schulen und Kitas

„Im Gegensatz zu Seniorenheimen stellen Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder- und Jugendliche per se keine Hochrisikoumgebung dar“, betonen die Fachverbände. Deshalb können nach individueller ärztlicher Abwägung auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen in die Schule oder Kita gehen. Indessen sei es wichtig, Schulgänger mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2 Infektion unverzüglich zu untersuchen, um eine solche Infektion zu sichern oder auszuschließen. Dennoch dürfe laut der Fachverbände der Nachweis einzelner Infektionen bei Kindern oder Schülern nicht automatisch zur erneuten Schließung der gesamten Kita oder Schule führen.

Übertragungsrisiko durch Kinder scheint gering

Die Empfehlungen der Fachgesellschaften basieren auf zahlreichen Erkenntnissen, die gegen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Kinder sprächen, heißt es in der Stellungnahme. Verschiedene Untersuchungen, Reviews, Ausbruchs- und Clusteranalysen, Modellierungen in Verbindung mit den Auswertungen früherer Influenza-Pandemien sowie die publizierten Auswertungen der bisherigen Coronavirus-Pandemien MERS und SARS-1 ergäben „ein zunehmend schlüssiges Bild, dass Kinder in der aktuellen COVID-19 Pandemie im Gegensatz zur Rolle bei der Influenza-Übertragung keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen.“