COVID-19: Online-Erhebung findet neurologisch-psychiatrische Komplikationen

  • Lancet Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Auswertung von neurologisch-psychiatrischen Fallberichten nach einer Erkrankung mit COVID-19 berichtet ein medianes Alter von 71 Jahren, einen hohen Anteil von Schlaganfällen und zahlreiche Psychosen.

Hintergrund

Erst im Laufe der Zeit werden die potenziellen neurologischen Komplikationen von COVID-19 deutlich und bezüglich ihrer Häufigkeit und Reversibilität besser abschätzbar. Dabei ist eine umfassende Charakterisierung der klinischen Syndrome wesentlich für die rationale Auswahl und Bewertung der möglichen Therapien.

Design

Ziel der Studie war es, die Bandbreite der das Gehirn betreffenden Komplikationen bei COVID-19 in ganz Großbritannien zu studieren. Dies geschah durch die Errichtung eines sicheren Online-Netzwerkes zur kurzfristigen Erfassung von Fallberichten durch die Britische Neurologen-Vereinigung, die Schlaganfall-Gesellschaft, und das Königliche Kolleg der Psychiater. Die Daten wurden dann in Bezug gesetzt zur Gesamtzahl der COVID-19-Fälle, die den britischen Gesundheitsbehörden gemeldet wurden.

Ergebnisse

  • Das erste Portal wurde am 2. April gestartet, das 2. am 3. April, und das 3. am 21. April. Der vorliegende Bericht enthält Daten, die bis zum 26. April eingereicht wurden, sodass die Berichte der Psychiater vermutlich unterrepräsentiert sind.
  • Unter den 153 gemeldeten Fällen betrug das mediane Alter 71 Jahre; komplette klinische Datensätze waren für 82 % dieser Patienten verfügbar. Dabei wurden gemeldet:
    • 62 % mit kardiovaskulären Ereignissen, davon 74 % mit ischämischem Schlaganfall, 12 % mit intrazerebralen Blutungen und 1 % mit einer zerebralen Vaskulitis.
    • 31 % waren psychisch auffällig, davon 23 % mit einer unspezifischen Enzephalopathie, 18 % mit einer Enzephalitis, und die restlichen 59 % mit diversen, fachärztlich getroffenen psychiatrischen Diagnosen (92 % davon neu diagnostiziert).
  • Unter den 23 Patienten mit psychiatrischen Diagnosen hatten 43 % erstmals eine Psychose, 26 % ein kognitives, Demenz-ähnliches Syndrom und 17 eine Affektstörung.
  • Die Altersgrenze von 60 Jahren überschritten 51 % der Patienten mit einem veränderten psychischen Status, aber 82 % derjenigen mit kardiovaskulären Ereignissen.

Klinische Bedeutung

Die binnen kürzester Zeit erhobenen Daten erlauben einen ersten Blick auf das neurologisch-psychiatrische Krankheitsgeschehen bei COVID-19-Erkankten. Wünschenswert wären öffentlich verfügbaren Aktualisierungen, die bei einer wachsenden Zahl von Meldungen eine präzisere Abschätzung auch seltenerer Komplikationen und langfristiger Folgen ermöglichen könnten.

Finanzierung: Keine.