COVID-19: Nutzen der Plasmatherapie laut Cochrane Rapid Review noch unklar

  • Cochrane Database of Systematic Reviews

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Für die Behandlung von COVOD-19-Kranken mit dem Blutplasma von genesenen Patienten gibt es laut einem aktuellen Cochrane Review noch keine ausreichenden Wirksamkeits-Belege. Allerdings gebe es bereits einige Studien dazu, deren Ergebnisse bald vorliegen könnten, teilt die Cochrane Deutschland Stiftung mit.

Eine alte und auch bewährte Therapie 

Menschen, die sich von COVID-19 erholt haben, besitzen in ihrem Blutplasma Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, die eine wichtige Rolle in der erworbenen Immunität gegen die Krankheit spielen. Aus diesem Grund könnte Plasma aus einer Blutspende von genesenen Patienten, welches solche Antikörper enthält, möglicherweise zur Behandlung von akut an COVID-19 erkrankten Patienten verwendet werden. Dafür nutzt man entweder direkt das zellfreie Blutplasma („Rekonvaleszenten-Plasma“) oder stellt aus solchen Plasmaspenden ein sogenanntes Hyperimmunserum mit einer besonders hohen Konzentration von Antikörpern her. Dieses Prinzip der Plasmatherapie wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Emil von Behring entdeckt und seither erfolgreich bei mehreren  Infektionskrankheiten eingesetzt. Diese Behandlungen sind im Allgemeinen gut verträglich, es können aber auch unerwünschte Wirkungen auftreten.

Bislang nur acht Studien mit 32 Patienten 

Die Autoren des aktuellen „Cochrane Rapid Review“ wollten herausfinden, ob eine solche Plasmatherapie mit Plasma beziehungsweise Antikörpern von genesenen COVID-19-Patienten eine wirksame Behandlung für Menschen mit COVID-19 ist und in wie weit sie unerwünschte Wirkungen verursacht. Dafür durchsuchten die Autoren um Privatdozentin Dr. med. Nicole Skoetz (Universität Köln) systematisch medizinische Datenbanken nach klinischen Studien zur Behandlung mit Rekonvaleszenten-Plasma oder Hyperimmunserum für Patienten mit COVID-19.  

Die Suche erbrachte acht abgeschlossene Studien (allesamt sogenannte Fallserien) mit insgesamt nur 32 Teilnehmern. Die Aussagekraft war nicht nur wegen der geringen Teilnehmerzahl stark eingeschränkt. So wurden Teilnehmer in keiner dieser Studien nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Behandlungsgruppen aufgeteilt. Zudem enthielt keine der Fallserien eine Vergleichsgruppe von Personen, die ohne Rekonvaleszenten-Plasma behandelt wurden. Und schließlich erhielten die Teilnehmer neben der Plasmatherapie unterschiedliche weitere Behandlungen, was den Vergleich der Studienergebnisse zusätzlich erschwert. Aus diesen Gründen haben die Autoren die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach dem etablierten Bewertungsschema „GRADE“ durchweg als „sehr gering“ eingestuft.

Auch wenn sämtliche Studienteilnehmer die allerdings oft nur kurze Nachbeobachtungsphase überlebten und 15 von ihnen sogar die Klinik verlassen konnten, so lässt sich dieses auf den ersten Blick positive Ergebnis nach Ansicht der Cochrane-Autoren ebenso gut mit dem natürlichen Verlauf der Krankheit oder anderen Behandlungen erklären, wie mit dem Einsatz von Rekonvaleszenten-Plasma.

Mangel an Belegen kein Beweis der Unwirksamkeit

Allerdings bedeutet dieser Mangel an guter Evidenz durchaus nicht, dass die Wirksamkeit einer Plasmatherapie gegen COVID-19 damit widerlegt wäre. Und es gebe durchaus Grund zur Hoffnung, dass sich die großen Wissenslücken bald schließen könnten, sagt Vanessa Piechotta, Koautorin des Reviews. „Die Forschung auf diesem Gebiet läuft auf Hochtouren. Wir haben etwa 50 laufende Studien identifiziert, von denen 22 randomisierte Studien mit hoher Aussagekraft sind. 16 dieser Studien sollen noch im Laufe dieses Jahres abgeschlossen sein. Deshalb werden wir unsere Übersichtsarbeit als sogenannten ‚Living Systematic Review' fortan monatlich aktualisieren, damit sie stets die aktuellste verfügbare Evidenz widerspiegelt.“