COVID-19: noch ein erfolgreicher Impfstoff und weitere Daten zu Schulkindern


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford hat nach Angaben des Unternehmens eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent. Neue Daten liefern der Diskussion über die Bedeutung von Kindern und Jugendlichen für das Pandemie-Geschehen weitere Nahrung. Die FDA hat für die Kombination des Janus-Kinase-Hemmers Baricitinib mit Remdesivir eine Notfallgenehmigung zur Behandlung von hospitalisierten COVID-19-Patienten erteilt. Für die stationäre Behandlung von COVID-19-Patienten gibt es eine aktualisierte Leitlinie.

Corona-Vakzine von AstraZeneca: Wirksamkeit bis zu 90 Prozent

Mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca hat nun ein weiteres Unternehmen positive Zwischen-Ergebnisse zu seinem Corona-Impfstoff (AZD1222) vorgelegt. Laut dem Unternehmen wurde der primäre Endpunkt, die Verhinderung von Infektionen mit SARS-CoV-2 erreicht. Geprüft wurden zwei Dosierungs-Regime: 2741 Probanden erhielten zunächst eine halbe Dosis des Impfstoffes verabreicht, einen Monat später dann die volle Dosis. Die Wirksamkeit betrug in diesem Fall 90 Prozent. 

8895 Probanden erhielten in einem Abstand von mindestens einem Monat jeweils die volle Dosis des Adenoviren-basierten Impfstoffs; die Wirksamkeit betrug in diesem Fall nur 62 Prozent. Die kombinierte Analyse der Daten aller Probanden (n = 11.636) ergab eine durchschnittliche Wirksamkeit von rund 70 Prozent. Alle Ergebnisse waren laut AstraZeneca signifikant  (p

FDA-Notfallgenehmigung für Baricitinib plus Remdesivir

Die FDA hat für die Kombination des Janus-Kinase-Hemmers Baricitinib mit dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir eine Notfallgenehmigung zur Behandlung von hospitalisierten Erwachsenen und Kindern im Alter von mindestens zwei Jahren mit Verdacht auf COVID-19 oder gesicherter Erkrankung erteilt. Die Kombinationsbehandlung ist für Patienten gedacht, die zusätzlichen Sauerstoff, mechanische Beatmung oder eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) benötigen.

In einer klinischen Placebo-kontrollierten Studie wurde laut FDA gezeigt, dass Baricitinib plus Remdesivir die Zeit bis zur Genesung innerhalb von 29 Tagen nach Beginn der Behandlung verkürzt. Verglichen wurde die Kombinationstherapie mit einer Remdesivir-Monotherapie (plus Placebo). Die mediane Zeit bis zur Erholung von COVID-19 betrug sieben versus acht Tage. Als genesen galt ein Patient, der aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte oder keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr benötigte. Ausser der etwas schnelleren Genesung war laut FDA auch die  Sterberate in der Prüfgruppe mit der Kombinationstherapie geringer. Konkrete Zahlen nennt die US-Behörde jedoch nicht. Geprüft wurde die Kombination aus Baricitinib und Remdesivir in einer US-Studie der „National Institutes of Health“ mit 1033 COVID-19-Patienten.

Keine hohe Corona-Dunkelziffer bei Kindern

Daten von knapp einhundert deutschen Kinderkliniken sprechen dafür, dass es keine hohe Dunkelziffer an Infektionen mit SARS-Cov-2 bei Kindern und Jugendlichen gibt. Laut Dr. Michael Kabesch von der Kinderklinik St. Hedwig der Universität Regensburg und weiteren Kinder- und Jugendärzte waren bei den Kindern und Jugendlichen  von 116.000 nur rund 0,5 Prozent  (612 /116.000) positiv. Die Ergebnisse der Tests bestätigen allerdings, dass die Positivrate bei Kindern und Jugendlichen von der Prävalenz der Infektion in der Gesamtbevölkerung abhängt: So sei die Positivrate bei den Kindern und Jugendlichen wie auch in der Gesamtbevölkerung seit Oktober gestiegen.

Die Pädiater sprachen sich daher dafür aus, die Schulen weiter geöffnet zu lassen. Laut der Befragung hätten sich die meisten Kinder und Jugendlichen in der Familie oder im Freundeskreis mit dem Virus angesteckt. „Die Hauptquelle der Infektion bei Kindern und Jugendlichen ist außerhalb der Schule", so Dr. Matthias Keller vom Vorstand der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Lehrern müsse die Angst genommen werden, bei den Schülern ein erhöhtes Ansteckungsrisiko einzugehen, hieß es weiter. Die „Passauer Neue Presse“ hatte zuerst über die Befragung berichtet.

Ähnliches habe auch eine Untersuchung aus Hamburg, gezeigt, so etwa das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Es gebe einen internationalen Konsens, dass Schulen und Kinder nicht der Hauptfaktor für die Übertragung des Virus seien, wird Professor Johannes Hübner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, zitiert. Es müsse gelingen, die Ausbreitung des Virus insgesamt einzudämmen - damit sei auch Schulproblematik in den Griff zu bekommen, so Johannes Hübner.

Ergebnisse der 2. Dresdner Corona-Schulstudie

Auch zwischen Mai und Oktober 2020 hat es keine unerkannten SARS-CoV-2-Übertragungen gegeben. Das sind die neuen Ergebnisse der zweiten Testphase der Corona-Schulstudie des Dresdner Universitätsklinikums.

Im Auftrag der Staatsregierung haben die Medizinische Fakultät der TU Dresden und das Dresdner Universitätsklinikum die Corona-Schulstudie nach den Sommerferien fortgesetzt. Bei einer der bundesweit größten Studie in der Altersgruppe von Jugendlichen von circa 15 Jahren sollte nach den Ergebnissen nach dem Lockdown im Frühjahr nun erfasst werden, wie viele SSchüler und Lehrer seither bis zum Beginn der Herbstferien Antikörper des SARS-CoV-2-Virus in sich tragen und wie sich dessen Ausbreitung über die Zeit verändert. Die Ergebnisse der zweiten Testphase mit über 2.000 Teilnehmern bestätigen die Zwischenergebnisse der ersten Phase.

Untersucht wurden vor den Herbstferien erneut insgesamt über 2.000 Blutproben. In lediglich zwölf der über 2.000 Seren konnten im Frühjahr am Institut für Virologie Antikörper nachgewiesen werden – das entspricht einer Seropositivität von unter einem Prozent. In fünf der zwölf Fälle gab es laut einer Mitteilung eine bekannte nachgewiesene Corona-Virusinfektion, in sieben Fällen war die Infektion vorab nicht bekannt. Studienleiter Professor Reinhard Berner (Universitätsklinikum Dresden) zieht folgendes Fazit: „Unsere Daten zeigen, dass der Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern in der Population der Jugendlichen mindestens bis zu den Herbstferien sehr gering war. Das ist umso bemerkenswerter, da sich in diesem Zeitraum [September 2020] die Infektionszahlen in Sachsen verdoppelt haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es weder während der ersten Welle noch in den vier Monaten nach Wiedereröffnung der Schulen zu unerkannten Übertragungen gekommen ist und dass es keine Hinweise gibt, dass Schulen sich zu ›silent hotspots‹ dieser Pandemie entwickelt haben.“

Neue S2k-Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19 Patienten veröffentlicht

Seit gestern gibt es eine neue S2k-Leitlinie mit Empfehlungen zur stationären Therapie von COVID-19-Patienten. Sie erweitert die bereits seit März 2020 vorliegende intensivmedizinische S1-Leitlinie um den gesamtstationären Bereich und gibt damit Krankenhausärzten erstmals eine ganzheitliche und fächerübergreifende Handlungsanweisung an die Hand. Federführend waren drei Fachgesellschaften an der Erstellung beteiligt – die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Elf weitere Fachgesellschaften haben an der Erstellung der Leitlinie mitgewirkt.

Die Leitlinie definiert, wann eine stationäre und wann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich ist. „Bei Patienten mit ausgeprägter Atemnot, deutlich erhöhter Atemfrequenz und Abfall der Sauerstoffsättigung, ist eine Verlegung auf die Intensivstation angezeigt. Die Leitlinie gibt dem Klinikpersonal bereits für diese Phase Empfehlungen an die Hand“, sagt Professor Christian Karagiannidis, Präsident der DGIIN und Leiter des ECMO-Zentrums an der Lungenklinik Köln-Merheim. Darüber hinaus hält die Leitlinie fest, wann welche Form der Atemunterstützung, wann eine Intubation und wann eine mechanische Beatmung zum Einsatz kommt. Die Autoren der Leitlinie empfehlen zudem ie strikte Einhaltung der Basishygiene, einschließlich der Händehygiene, sowie das korrekte Tragen von adäquater persönlicher Schutzausrüstung, dies sei im Umgang mit den Patienten unabdingbar. 

Ein Kapitel befasst sich mit der medikamentösen Therapie. „Zu Beginn der Pandemie wurden weltweit verschiedenste Substanzen ohne klare Datenlage eingesetzt“, so PD Dr. Christoph Spinner, Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. „Wir legen den aktuellen, Stellenwert der eingesetzten Medikamente in der Leitlinie ausführlich dar, eine Sterblichkeitsreduktion konnte bisher nur für Dexamethason bei schwer kranken Patienten nachgewiesen werden.“