COVID-19: Niedergelassene Ärzte wünschen sich mehr konkrete Unterstützung


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Niedergelassene Ärzte beklagen fehlende Unterstützung beim Umgang mit dem neuen Coronavirus und COVID-19. So gebe es zum Beispiel zu wenig Informationen zum Vorgehen bei einem Infektionsfall. Dies zeigt eine aktuelle Online-Umfrage des Ärzte-Netzwerkes „änd“. Die Bundesregierung geht inzwischen davon aus, dass sich das Coronavirus in Deutschland weiter ausbreiten wird. Das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesministerium des Inneren haben einen Krisenstab eingerichtet.

Drei Viertel der über 1000 befragten Haus- und Fachärzte hätten in der Umfrage angegeben, nicht genug Info- und Aufklärungsmaterial für Patienten zu haben, berichtet das Ärzte-Netzwerk. Außerdem seien Tests, Schutzanzüge und Atemschutzmasken nicht mehr – oder nur zu horrenden Preisen – erhältlich.

Rund jeder zweite Arzt (54 Prozent) halte es der Umfrage zufolge für „sehr wahrscheinlich“, dass sich in naher Zukunft auch unter den eigenen Patienten mit dem Corona-Virus Infizierte befinden. 39 Prozent sähen zwar die prinzipielle Möglichkeit – hielten das Risiko, dass es einen der eigenen Patienten treffe, jedoch für gering. Gesprächsthema sei das Coronavirus SARS-CoV-2 bereits in zahlreichen Praxen: 41 Prozent der niedergelassenen Ärzte würden derzeit „ab und zu“ von Patienten auf das Thema angesprochen. 16 Prozent führten solche Gespräche derzeit sehr häufig.

Auf die Frage, ob sie sich von Ärztekammern, Institutionen und Behörden gut informiert fühlten, hätten nur 17 Prozent mit „Ja“ geantwortet. 76 Prozent hätten mit „Nein“ geantwortet.

Vermisst werden laut „änd“ von den Ärzten vor allem Informationen über konkrete Handlungsabläufe im Falle einer Infektion. Nur sieben Prozent der Ärzte hätten angegeben, dass sie in der eigenen Praxis mit Aufklärungsmaterial für Patienten über das Corona-Virus gut ausgestattet seien. 68 Prozent sähen noch Lücken – versuchen derzeit aber, Infomaterial in Form von Broschüren und Postern anzufordern. 26 Prozent seien der Meinung, dass sie solches Informationsmaterial nicht in der eigenen Praxis benötigen (17 Prozent Hausärzte, 33 Prozent Fachärzte).

Nach der Sicherheitsausrüstung (Atemschutz, Desinfektionsmittel, Schutzanzüge) für das Personal der eigenen Praxis gefragt, hätten 35 Prozent der Ärzte geantwortet, gut aufgestellt zu sein (Fachärzte 39 Prozent, Hausärzte 31 Prozent). Die Mehrheit der Ärzte sehe jedoch noch Lücken in der Ausstattung: Insbesondere seien Atemmasken bei den herkömmlichen Medizinprodukte-Herstellern nicht mehr lieferbar – sondern nur noch zu horrenden und täglich steigenden Preisen bei wenigen Online-Portalen. 53 Prozent der befragten niedergelassenen Ärzte hielten die Sicherheitsausrüstung in der eigenen Praxis aufgrund von Lieferschwierigkeiten derzeit für unvollständig.

Umfangreiche Informationen für die Bevölkerung und auch für Ärzte stellt vor allem das Robert-Koch-Institut zur Verfügung. So hat das Berliner Institut zum Beispiel eine für die „Verdachtsabklärung und Maßnahmen“ - eine Orientierungshilfe für Ärzte (Stand: 26.2.2020) erstellt, die im Internet barrierenfrei zugänglich ist. Zudem hat das Institut Hinweise zum ambulanten Management von COVID-19-Verdachtsfällen veröffentlicht (Stand: 27.2.2020).

Die Bundesregierung stellt inzwischen die Bevölkerung auf eine flächendeckende Verbreitung des Coronavirus ein. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Epidemie auch hierzulande ausbreite, so gestern Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer. Beide Ministerien richteten einen gemeinsamen Krisenstab ein.

Es gehe nun vor allem darum, die Infektionsketten in und nach Deutschland zu unterbrechen, erklärte der Innenminister. Deshalb würden nicht mehr nur die Daten von landenden Fluggästen aus China in Deutschland erfasst. Auch ankommende Fluggäste aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien müssten nun ihre Daten abgeben, sagte Spahn. Getestet auf das neue Coronavirus würden auch Asylbewerber, sagte Seehofer.

Es sei, so das Bundesgesundheitsministerium, allerdings auch wichtig, dass sowohl medizinisches Personal als auch die Bevölkerung den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der regionalen Behörden folgen: „Wir empfehlen der Bevölkerung, nicht hinter jedem Husten eine Corona-Infektion zu vermuten. Dass sie aber ihren Hausarzt anrufen und die Behandlung abklären, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach Reisen in Gebiete, in denen Infektionen vorgekommen sind, Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln", so Spahn.

Das Robert Koch-Institut (RKI) mahnte indessen zu besonnenem Handeln. „Wir haben es mit einer schweren Krankheitsform zu tun", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. „Wir sind dem aber nicht schutzlos ausgeliefert", ergänzte er. Alle Menschen könnten etwas tun, um sich vor Ansteckungen zu schützen, etwa durch regelmäßiges Händewaschen.