COVID-19: Neue Impfstoff-Studien, ZNS-Autoantikörper und infektiöse Schulkinder


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Weitere Phase-1/2-Studien zu Impfstoffen gegen das neue Corona-Virus sind den Autoren zufolge positiv verlaufen. Berliner Forscher haben bei COVID-19-Patienten mit neurologischen Komplikationen ZNS-Autoantikörper gefunden. In einer Studie südkoreanischer Wissenschaftler erwiesen sich zehn- bis 19-jährige SARS-CoV-2-positive Patienten für ihre Kontaktpersonen im Haushalt ähnlich infektiös wie ältere Menschen.

Die Impfstoff-Studien

Die Ergebnisse der beiden Impfstoff-Studien, die im Fachmagazin „The Lancet“ erschienen sind, seien ermutigend, heißt es in einem begleitenden Kommentar.

Beide Studien, die eine aus Großbritannien mit knapp 1100 gesunden Probanden im Alter von 18 bis 55  Jahren (medianes Alter 35), die andere aus China mit rund 500 Probanden (Alter 8 bis 83, im Mittel knapp 40 Jahre) haben gezeigt, dass die Impfstoffe zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus führen. Zudem seien die experimentellen Vakzine gut vertragen worden. In beiden Fällen handelt es sich um Vektor-basierte Impfstoffe (Adenoviren). Bei der einen Vakzine (ChAdOx1) handelt es sich um den Impfstoff, den Forscher der Universität von Oxford zusammen mit AstraZeneca entwickeln, den anderen Impfstoff entwickeln chinesische Forscher zusammen mit dem chinesischen Unternehmen CanSino Biologics. Als besonders positiv gilt, dass die Impfstoffe nicht nur zur Bildung von spezifischen neutralisierenden Antikörpern, sondern auch von T-Zellen geführt haben. T-Zellen spielen bei der Infektion mit SARS-CoV-2 eine zunehmend als wichtig erkannte Rolle. Darüber hinaus sei die Immunreaktion bei dem britischen Impfstoff bereits nach der ersten Applikation sehr stark gewesen, so die Autoren. Möglicherweise könne die Immunreaktion durch eine zweite Applikation sogar noch weiter gestärkt werden, wie  eine kleine Substudie mit zehn Probanden vermuten lasse. Ob allerdings die Vakzine tatsächlich vor COVID-19 schütze, müsse noch in weiteren Studien untersucht werden. Auch für den chinesischen Impfstoff gilt, dass Effektivität und Sicherheit noch in größeren Studien der Phase 3 geprüft werden müssen. 

Auch ein anderer experimenteller Impfstoff gegen SARS-CoV-2 hat nach vorläufigen Daten einer cPhase-1-Studie zufolge ermutigende Ergebnisse erzielt, wie die Autoren kürzlich im „New England Journal of Medicine“ berichtet haben. Auch dieser Impfstoff, die mRNA-Vakzine 1273, hat, wie bereits gemeldet, die Bildung neutralisierender Antikörper in vergleichsweise hohen Titern induziert und deutliche zelluläre Immunantworten hervorgerufen. 

Autoantikörper bei neurologischen Komplikationen nachgewiesen

An den neurologischen Komplikationen bei COVID-19-Patienten sind offenbar auch Autoimmunmechanismen beteiligt. Dieses geht aus Untersuchungen von COVID-19-Patienten mit neurologischen Komplikationen hervor, über die Wissenschaftler der Charité auf einem Preprint-Server berichtet haben. Die Wissenschaftler um Erstautorin Dr. Christiana Franke haben unterschiedliche ZNS-Autoantikörper bei COVID-19-Patienten nachgewiesen.

Untersucht wurden elf intensivpflichtige COVID-19-Patienten (54-78 Jahre, acht Männer), die innerhalb von 7-17 Tagen nach Beginn der respiratorischen Symptome multiple, nicht erklärbare neurologische Komplikationen wie Myoklonus (orofazial), Delir, okulomotorische Störungen, Hirnnervenausfälle, Downbeat-Nystagmus, Aphasie, Schlaganfall, epileptische Anfälle und Dystonie entwickelt hatten. Die meisten Patienten wiesen im Liquor Entzündungszeichen auf, die PCR auf SARS-CoV-2 war jedoch bei allen negativ. 

Die Untersuchung bekannter ZNS-Autoantikörper gegen intrazelluläre und Oberflächenantigene zeigte bei einem Patienten Yo-Antikörper (im Liquor und Serum), bei zwei Patienten Myelin-Antikörper und einmal NMDA-Rezeptor-IgG (im Serum) sowie bei allen eine erhöhte NfL-Konzentration im Liquor. 

Weitere Untersuchungen zeigten im Liquor der meisten Patienten eine reproduzierbare, starke IgG-Bindung gegen astrozytäre Proteine, Gefäßendothel, perinukleäre Antigene oder Neuropil der Basalganglien, Hippocampus sowie Bulbus olfactorius. Den Autoren zufolge sprechen die klinischen, Liquor- und Biomarker-Befunde für eine autoimmun-entzündliche Enzephalopathie.

Mögliche Pathomechanismen seien eine molekulare Mimikry zwischen viralen und neuronalen Proteinen und eine verzögerte, post-virale Autoimmunität ähnlich der NMDA-Enzephalitis nach Herpes-Simplex-Enzephalitis. 

Kontakt-Tracing: Befunde aus Südkorea

Zehn- bis 19-jährige Kinder und junge Menschen, die mit dem neuen Corona-Virus infiziert sind, übertrugen das Virus in einer südkoreanischen Studie nicht weniger häufig als alte Menschen („Emerging Infectious Diseases“).  

Die Autoren untersuchten für ihre Studie rund 59000 Kontakte von 5706 COVID-19-Patienten. Dabei untersuchten sie alle Haushaltskontakte. Kontakt-Personen ausserhalb des Haushaltes wurden nur bei Symptomen auf SARS-COV-2 getestet. Während des Untersuchungszeitraums waren die Schulen in Südkorea geschlossen. Die Analyse zeigt zum einen, dass es zu den meisten Infektionen innerhalb der Haushalte kam und nicht ausserhalb. Nach Angaben der Autoren betrug die Infektionsrate bei den rund 10600 Haushalts-Kontakten 11,8 Prozent, bei den übrigen Kontakten ausserhalb des Haushaltes (meist Arbeitsplatz) betrug die Rate nur 1,9 Prozent. 

Analysiert wurde zudem, wie hoch der Anteil der Infizierten bei den Kontakt-Personen der so genannten Index-Patienten war (Patient mit belegter SARS-CoV-2-Infektion). 

Von den Haushaltskontakten der 10- bis 19-jährigen waren 18,6 Prozent mit SARS-CoV-2 infiziert; bei den 70- bis 79-jährigen Index-Patienten betrug die Rate 18,0 Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen 14,7 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen 17,0 Prozent und bei den unter 10-Jährigen Index-Patienten 5,3 Prozent.