COVID-19 nach Nierentransplantation: Risiko für schwere Verläufe deutlich erhöht

  • Kidney International

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zwei erste Fallserien zum Verlauf von COVID-19 bei Patienten mit Nierentransplantation in der Anamnese ergeben: Das Risiko für schwere Verläufe von COVID-19 ist erhöht, auch wenn die Patienten schon längerfristig eine stabile Nierenfunktion hatten und keiner intensivierten Abstoßungsprophylaxe bedurften. Die Immunsuppression bei SARS-CoV-2-Infektion von Transplantatempfängern sollte bei stabiler Nierenfunktion möglichst reduziert und bestimmte Medikamente wie Zellzyklusinhibitoren vermieden werden.

Hintergrund
Für Transplantatempfänger wird ein erhöhtes Risiko durch COVID-19 angenommen, da sie durch die Abstoßungsprophylaxe immunsupprimiert sind und häufig Komorbiditäten haben wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Nun gibt es zwei Fallserien, die diese Vermutung durch konkrete Krankheitsverläufe belegen: eine aus Brescia in der Lombardei und eine zweite aus London (1, 2).

Design
Monozentrische Fallserien

  • 20 Patienten mit Nierentransplantation in der Vorgeschichte und COVID-19 während der aktuellen Pandemie in einem Krankenhaus in Brescia
    • medianes Alter bei SARS-CoV-2-Infektion: 59 Jahre
    • medianes Alter bei Transplantation: 13 Jahre
  • 7 Patienten mit Nierentransplantation in der Vorgeschichte und COVID-19 während der aktuellen Pandemie in einem Krankenhaus in Süd-London
    • medianes Alter bei SARS-CoV-2-Infektion: 54 Jahre
    • Transplantation: 1-30 Jahre zurückliegend:

Hauptergebnisse
Von den 20 SARS-CoV-2-infizierten norditalienischen Nierenempfängern mit zuvor stabiler Organfunktion starben 5 an COVID-19 innerhalb von 15-19 Tagen. Alle Patienten hatten bei stationärer Aufnahme Fieber und eine SARS-CoV-2-induzierte Pneumonie, davon die Hälfte mit bilateralen Infiltraten und die andere Hälfte mit unilateralen Infiltraten.

Zellzyklusinhibitoren wie Mycophenolat Mofetil (MMF) wurden abgesetzt, ebenso der Calcineurininhibitor Tacrolimus. Die Patienten erhielten Methylprednisolon 16 mg/Tag, alle bis auf einen eine antivirale Therapie und Hydrochloroquin, das in der Dosierung der Nierenfunktion angepasst war.

Nach einem medianen Follow-up von 7 Tagen verschlechterte sich der Verlauf von COVID-19 bei 87 %, bei 6 Patienten gab es ein aktues Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit. 5 Patienten starben schließlich, die übrigen hatten sich zum Zeitpunkt der Publikation erholt oder waren noch stationär.

Bei den 7 britischen Patienten mit COVID-19 und Nierentransplantation in der Anamnese war das klinische Bild der SARS-CoV-2-Infektion ähnlich wie in Italien: Alle Patienten hatten bei stationärer Aufnahme Fieber und respiratorische Symptome. Auch bei ihnen wurde MMF abgesetzt und Tacrolimus ausgeschlichen. 3 Patienten erholten sich, 3 waren zum Zeitpunkt der Publikation noch im Krankenhaus und 1 Patientin starb.

Klinische Bedeutung
Das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe bei Patienten nach Nierentransplantation ist diesen beiden Fallserien zufolge deutlich erhöht. Noch lassen sich aus diesen Erfahrungen wegen geringer Fallzahlen keine allgemeinen Empfehlung zur Therapie ableiten, so die beiden Autorenteams. Ein Absetzen von Antimetaboliten wie Mycophenolat Mofetil oder Azathioprin und von Calcineurininhibitoren sei aber sinnvoll zugunsten einer Beibehaltung oder Erhöhung von Prednisolon. Es müssten nun international rasch Erfahrungen mit COVID-19-Patienten nach Transplantation zusammengetragen werden.

Finanzierung: öffentliche Mittel