COVID-19: mehr Infektionen, mehr Restriktionen und schon wieder Hamsterkäufe


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften 

In Deutschland wie auch in anderen Ländern steigen seit Tagen die Zahlen der Neuinfektionen. Die verantwortlichen Politiker haben daher erneut mit Einschränkungen des öffentlichen und des privaten Lebens reagiert, um so den gefürchteten „Lockdown“ und seine schwerwiegenden ökonomischen Folgen zu verhindern. Noch nicht begutachtete Interims-Resultate einer großen WHO-Studie lassen befürchten, dass Remdesivir vielleicht doch nicht so wirksam ist, wie andere Daten gezeigt haben. Die Akten zu dieser antiviralen Therapie sind allerdings noch längst nicht geschlossen.

Gesundheitsämter melden über 5000 Neuinfektionen 

Bei der Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wurde am Samstag mit 7830 zum dritten Mal in Folge ein Höchstwert erreicht. Laut Robert Koch-Instituts von Samstagabend lag der R-Wert bei 1,4. Am frühen Sonntagmorgen meldete das Robert Koch-Institut 5587 Corona-Neuinfektionen in Deutschland, eine Woche zuvor waren es 3483. 

Aufgrund der stark steigenden Zahl der Infektionen ist das öffentliche und private Leben in Deutschland erneut eingeschränkt worden, wobei es aufgrund des föderalen Systems und auch des Infektionsgeschehens selbst einige Unterschiede zwischen den Regionen gibt. Angela Merkel hat die Bundesbürger  persönlich aufgefordert, soziale Kontakte zu beschränken und weniger zu reisen. „Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet.“ Es werde darauf ankommen, wie sich die Bevölkerung verhalte; das sei wichtiger als einzelne Maßnahmen, betonte auch SPD-Politiker Karl Lauterbach.

Angesichts des Infektionsgeschehens in Deutschland appellierte in den „tagesthemen“ auch der Immunologe Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig an die Bevölkerung, selbst mehr für den Schutz vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zu tun. Die Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens seien, was die konkreten Maßnahmen angehe, „vielleicht etwas hinter den Erwartungen" zurückgeblieben. Er selbst habe darauf hingewiesen, dass man umdenken müsse und dass es nicht reiche, ein paar Verbesserungen zu machen. „Sondern dass es da sehr deutliche Maßnahmen geben muss, wenn man das Ruder jetzt noch rumreißen möchte. Denn wir befinden uns gerade in einem unkontrollierten Wachstum, das man ansonsten nicht mehr ausbremsen kann.“

Kritik an Anti-Corona-Maßnahmen

Wichtigen Funktionären des „medizinisch industriellen Komplexes“ gingen hingegen mittlerweile auf Distanz zu einem Staat, der dabei sei, übergriffig zu werden, heißt es dazu in einem Beitrag des Publizisten Gabor Steingart. Der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, warne vor einer Überlastung der Praxen und spreche von Ressourcenverschwendung, weil sich plötzlich jeder Urlauber den Corona-Test besorgen müsse. Auch KBV-Chef Andreas Gassen kritisiere, dass knappe Testkapazitäten verschwendet würden. Und ein „ genervter Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt“ habe gesagt, dass es doch möglich sein müsste, „zu einer viel differenzierteren Betrachtungsweise des Infektionsgeschehens“ zu kommen.

Vorläufige WHO-Daten zu Remdesivir erschienen

Einen Rückschlag scheint es in der Therapie-Forschung zu Remdesivir gegeben zu haben. Zwischen-Ergebnisse einer WHO-Studie haben keinen signifikanten Effekt des Wirkstoffes auf den Krankheitsverlauf von COVID-19-Patienten gezeigt. So betrug die Sterberate der 2743 hospitalisierten Patienten mit Remdesivir 11 Prozent, in der Vergleichsgruppe betrug die Rate 11,2 Prozent. Diese Interims-Resultate der SOLIDARITY-Studie zu Remdesivir sind bislang allerdings nur auf einem Preprint-Server erschienen; die Daten sind also noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet worden. Außerdem waren wenige Tage zuvor die positiven, endgültigen und schon begutachteten Daten der internationalen Studie ACTT-1 zu Remdesivir erschienen. Nach diesen im „New England Journal of Medicine“ publizierten Studien-Daten beschleunigte der Wirkstoff deutlich die Genesung von hospitalisierten Patienten: COVID-19-Patienten mit einer stationären Behandlung wegen einer mittelschweren oder schweren COVID-19-Erkrankung benötigten, wie von „Univadis“ berichtet, mit Remdesivir median 5 Krankenhaustage weniger für die Genesung als Patienten mit der Standardtherapie plus Placebo.

Vorerst sei Remdesivir das einzige Medikament, ausser Dexamethason, das uns an der klinischen COVID-19-Front zur Verfügung stehe, kommentierte Clemens Wendtner, Infektiologe an der München Klinik Schwabing, die aktuellen Daten auf dem Portal des deutschen „Science Media Center“. Ein großer klinischer Durchbruch sehe jedoch anders aus: Der Kampf gegen COVID-19 sei demzufolge noch lange nicht gewonnen.

„Wer hortet, handelt unsolidarisch“

Einen „Rückfall“ gibt es offenbar nicht allein bei den Infektionszahlen. Anscheinend neigen einige Bundesbürger wieder zu Hamsterkäufen, insbesondere von Toilettenpapier und Nudeln. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) appelliert daher an die Verbraucher, trotz der steigenden Infektions-Fälle keine größeren Mengen einzukaufen als sonst. „Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund", sagt die CDU-Politikerin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe) laut einem Vorabbericht. „Die Lieferketten funktionieren - das gilt nach wie vor." Zu keiner Zeit in der Pandemie sei die Lebensmittelversorgung in Deutschland gefährdet gewesen. „Wer hortet, handelt nicht nur unlogisch, sondern auch unsolidarisch. Und am Ende landet vieles in der Tonne.“